Immer dieser Lärm

Es ist ein ganz normaler Dienstagmorgen halb 8 und ich bin wieder auf dem Weg zur Arbeit. Die halbe Stadt liegt lahm, nur wenige Bahnen fahren, um die Menschen zu ihren Jobs zu bringen.
  • Die ganze Welt ist voller Lärm und wir sind mittendrin.
  • Stille können viele von uns nur noch schwer aushalten, weil es sie im Alltag kaum noch gibt, wenn du nicht ganz gezielt danach suchst.

Mittwochmittag, irgendwo in Berlin, ein ganz normaler Arbeitstag.  Ich arbeite in einem kleinen Büro als Assistentin und verbringe die meiste Zeit im Sitzen. In meiner Mittagspause bin ich nach draußen gegangen zu einem Brunnen, an dem ich manchmal bin, um die Wasserfontänen zu beobachten, auf jeden Fall raus aus dem Büro und bewegen.  

Es könnte so schön sein

Der Himmel ist tiefblau. Die Sonne wärmt mein Gesicht, es sind 17 Grad, und dass mitten im November. Es könnte so schön sein, wenn nicht ständig dieser Lärm um mich herum wäre. Ich weiß, dass Berlin eine große Stadt ist, die niemals schläft und dass es einfach mit dazu gehört. Es gibt nun mal ganz normale Alltagsgeräusche, wie das Bohren auf einer Baustelle, das Vorbeifahren vieler Autos, die Musik aus einigen Häusern, das laute telefonieren von Menschen.

Und doch gibt es Tage, an denen der Lärm kaum noch ertragbar ist.  Dann ist jeder einzelne Ton, und sei er noch so leise, einfach zu viel.

Nichts ist mehr echt

Töne oder Geräusche aus der natürlichen Welt, einer Welt ohne Dauerbeschallung durch Medien, Werbung, Internet und Co. Töne aus der Natur habe ich schon lange nicht mehr gehört. Ich weiß nicht mal mehr wie es sich anhört. Denn ständig wird alles von einem Geräuschpegel, der nie aufhört, überlagert. Umso mehr sehne ich mich manchmal nach Ruhe und Stille.

Ich komme mir vor wie ein Ertrinkender, der vor einem großen Brunnen voller Möglichkeiten steht und einfach nicht die so ersehnte Ruhe daraus schöpfen kann. Sie ist so nah, und doch so unerreichbar für. Diese Gedanken versetzten mir einen Stich in meiner Herzregion.

Ich bin hier falsch

Ich spüre, dass es falsch ist hier zu sein. Ich fühle mich ohnmächtig, nicht handlungsfähig, irgendwie überrannt von all dem Lärm, der mich lähmt.

Wie ist das wohl in Ruhe zu sein, Stille zu hören, wenn man sie denn hören kann. Wie ist das, wenn man einfach nur nichts hört oder den Geräusche der Natur lauscht. Spürt man das genauso körperlich wie Lärm? Wahrscheinlich wäre mein Geist von echter Ruhe und Stille am Anfang irritiert.

Er könnte vermutlich damit nichts anfangen. Alle Gedanken würden kreuz und quer durch den Kopf schießen. Denn sie spüren das jetzt Raum für sie da ist und wollen alle auf einmal gehört werden bevor diese seltene Gelegenheit wieder weg ist. Die eigenen Gedanken werden immer von Geräuschen, Tönen oder Impulsen von außen verdrängt. Es ist nie Zeit für Sie da.

Ich kann mich nicht hören

Ich selbst kann manchmal meine Gedanken nicht richtig hören oder fassen, weil so viel Lärm um mich herum und in mir drin ist.

Es ist kein Wunder, dass so viel Menschen nicht wissen, was sie wirklich im Leben wollen, mich eingeschlossen. Unser Herz sagt es uns aber wir hören uns nie zu, weil wir immer beschäftigt sind mit endlos vielen Dingen. Bei der Masse an Impulsen, die jeden Tag auf uns einprasseln, ist es nur logisch, dass wir keinen einzigen klaren Gedanken mehr fassen können. Es sind einfach zu viele davon da, die sich über all die Jahre der Ignoranz aufgestaut haben.

Gift in deinen Zellen

Der ständige Lärm fühlt sich an wie Gift, dass in jede einzelne Zelle des Körpers eindringt.

Es macht Menschen unruhig, rastlos, lässt sie nachts nicht schlafen und wirre Träume haben. Man müsste eine Art Entgiftungskur, eine Entlärmungskur machen, um sich davon zu befreien. Meditation ist eine gute Möglichkeit. Ich taste mich gerade erst an diese Methode heran.  Selbst ganz normale Alltagsgeräusche in normaler Lautstärke können einen schon mal dermaßen stressen, dass man sie viel lauter wahrnimmt, als sie eigentlich sind.

Ich bin sonst nicht so lärmempfindlich, jedenfalls war ich das bis jetzt nicht. In diesem Moment kommt mir jedoch alles unendlich laut vor. Es fühlt sich an als ob über mir ein großer Filter oder Trichter schwebt und aller Lärm der Welt darin gebündelt auf mich herabstürzt.

Schwere Lasten

Es ist wie eine Last, die ich nicht abschütteln kann. Am liebsten möchte ich mir manchmal einfach nur die Ohren zuhalten.

Und so sitze ich weiter vor meinem Brunnen und komme doch nicht zur Ruhe. Ich habe das Gefühl, mein ganzer Organismus, mein ganzer Körper ist reizüberflutet und gibt mir das deutlich zu verstehen in Form von Unruhe und Konzentrationsschwierigkeiten. Mein Körper schreit nur noch lauer nach Ruhe.

Eine andere Welt

Vielleicht zieht es mich deshalb immer wieder in die Unterwasserwelt, seit Monaten bin ich fasziniert davon.

Denn dort gibt es keinen Lärm für uns Menschen. Dort erreicht dich kein Handy, keine Anrufe, dort gibt es keine Nachrichten, keine Autos, keine Flugzeuge, keine schreienden Menschen. Dort unten bist du unerreichbar für die Welt.

Die Zeit reißt mich aus meinen Träumereien wieder in die Wirklichkeit zurück. Ich muss wieder zurück ins Büro, dort ist es ruhig, denn meistens bin ich alleine.

Lauter geht immer

Einige Stunden später an diesem Tag sitze ich wieder in der Bahn, diesmal auf dem Heimweg. Und wieder ist sie voller Menschen, so voll und so laut wie schon am Morgen.  Ich habe mir meine Kopfhörer auf die Ohren gesetzt und versuche den Lärm der Stadt mit noch mehr Lärm aus meinen Kopfhörern zu überdecken.

Eine Gruppe Jugendlicher ist in der Bahn und redet laut durcheinander. Sie merken nicht, dass sie sich teilweise anschreien beim Reden. Sie sind auf dem Weg zu irgendeinem Event und dementsprechenden aufgeregt und in freudiger Erwartung.

Ich bin mitten drin und kann nicht weg.

Die Lautstärke meiner Kopfhörer schaffen es nicht gegen den Lärm um mich herum anzukommen. Er ist einfach zu stark. Und so setze ich sie wieder ab und versuche alles auszublenden, ohne Erfolg.

Ich könnte aussteigen und die nächste Bahn nehmen. Das möchte ich dann doch nicht riskieren, da es immer noch technische Probleme bei der Bahn gibt und ich unter Umständen nicht weiterkomme. Ist also auch keine Option. Und so heißt es Ohren zu und durch. Aushalten und weiter von einer Welt ohne Lärm träumen.

Beschütze dich selbst

Um nicht irgendwann krank vor Lärm zu werden kann ich dir nur ans Herz legen, Stille ab und an ganz bewusst zu suchen. Das ist gar nicht so schwer und lässt sich leicht umsetzten, wenn man nicht gerade auf einem Rockkonzert ist.

Lass morgens mal das Radio oder den Fernseher aus und hör deinen Gedanken zu. Schau nicht gleich nach dem Aufwachen aufs Handy und sei sofort für alle Welt schon wieder erreichbar. Gönn dir selbst ein bisschen Ruhe und deine volle Aufmerksamkeit.

Das ist nur für dich

Schon mit ein paar Minuten am Tag tust du damit viel Gutes für dich. Geh in die Natur und hör ganz bewusst auf die Töne und Geräusche. Du wirst staunen, wie viele verschiedene es gibt. Irgendwo findet sich immer ein Park, ein See oder eine Wiese in der Nähe, auch wenn man in der Stadt lebt.

Vielleicht ist Meditation etwas für dich. Mit etwas Übung kannst du ganz wunderbar in Ruhe entspannen, den Alltag draußen lassen, die Gedanken einfach kommen und gehen lassen und ganz bei dir sein.

Es lohnt sich so sehr, sich jeden Tag nur ein paar Minuten Ruhe zu gönnen, den Lärm werden wir alle noch mehr als genug in unserem Leben haben.Z

Die größte Offenbarung ist die Stille.
Laotse

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