Ergebnis her, aber zackig

  • Warum Meditieren ein Klacks im Vergleich zum Zeichnen ist und was das Ganze mit Geduld zu tun hat.

Wir alle kennen Ungeduld. Der eine hat sie für sich gepachtet, der andere eher weniger. Es gibt Menschen, die haben die Ruhe weg, andere wiederum fahren schon bei der kleinsten Verzögerung aus der Haut. Ich gehöre eher zur zweiten Kategorie. Geduld war noch nie meine Stärke, das Gegenteil dafür umso mehr. Das liegt in unserer Familie, meine Mum kann davon auch ein Lied singen. Im Leben sonderlich schneller nach vorne gebracht hat es mich interessanterweise jedoch nie.

Der Klassiker

Du stehst an der Kasse, natürlich an der, an der es am längsten dauert. Alle anderen Kassen sind viel schneller und zwar grundsätzlich immer. Du regst dich innerlich über die Omi vor dir auf, weil die in aller Ruhe jeden Cent einzeln aus ihrem Portemonnaie in Zeitlupe heraus holt. Bei den meisten von uns springt an dieser Stelle ein automatisches Programm an, was abgespielt wird. Sogar dann, wenn wir gar nicht in Eile sind. Wir werden ungeduldig, es dauert uns einfach zu lange. Wir könnten schon viel weiter sein, wenn die Bremse da vorne nicht so langsam wäre. Und dabei tun wir so, als ob diese zwei Minuten, die wir jetzt länger warten müssen, unser ganzes weiteres Leben verändern werden.

Mir ist bis heute kein einziger Fall bekannt, dass jemand an der Kasse gestorben ist, weil er so lange warten musste. Kann man mal drüber nachdenken…

Es muss schnell gehen

Ich bin jemand, der mit wenig Aufwand in kürzester Zeit die größten und besten Ergebnisse haben will.  Fehlschläge sind natürlich nicht drin denn es muss ja immer alles sofort beim ersten Versuch klappen. Und das Pronto, denn ich habe keine Zeit. Oder anders gesagt, ich habe keine Geduld, mir die Zeit zu nehmen, denn dann muss ich ja warten und darin bin ich einfach nicht gut. Funktioniert etwas beim ersten Mal nicht sofort und einwandfrei kann es weg. Es hat sich einfach nicht bewährt und taugt nichts. So die Einstellung vieler Menschen heute in unserer schnelllebigen Zeit. Die Werbung und die Medien gaukeln uns vor, immer alles sofort und zu jederzeit zu bekommen und vor allem zu brauchen. Quasi auf Knopfdruck und am besten alles gleichzeitig.

Zum Glück ist der Mensch ein lernfähiges Wesen und diesem Umstand nicht hilflos ausgeliefert. Diese Erkenntnis finde ich persönlich sehr beruhigend. Mir ist völlig klar, dass man mit Geduld im Leben, so gut wie immer besser fährt. Ich habe das selbst schon so oft erlebt und doch fällt es mir schwer, der scheinbar überall lauernden Ungeduld nicht jedes Mal zum Opfer zu fallen. Sie tut nichts für dich, außer dich wahnsinnig zu machen und dein Umfeld gleich mit.

Selbst dran schuld

Du stehst dir damit nur selbst im Weg und verfällst vielleicht in blinden Aktionismus. Weil du dir keine Zeit für einen Plan genommen hast, wird es oft komplizierter. Dann verfällst du in Panik, weil eventuelle eine Deadline dranhängt und schon ist vor lauter Druck die schnell mal die falsche Entscheidung getroffen. Am Ende kannst du dich selbst nicht mehr leiden, weil du das Ganze verbockt hast. Und das Ergebnis ist in weiter Ferne.

Feststellen konnte ich das jüngst beim Zeichnen. Seit einiger Zeit bin ich wieder aufs Malen und Zeichnen gekommen und muss sagen, dass es mir ausgesprochen gut gefällt. Ich mag es, wenn man an etwas bearbeitet und am Ende ein physisches Produkt in den Händen hält. Niemals werden je alle Kombinationen von Farbe und Form ausgeschöpft sein.

Das trifft auch auf das Schreiben zu. Niemals werden alle Worte der Welt in allen nur erdenklichen Variationen hintereinander stehen und Sinn ergeben. Die Vielfalt ist schier unendlich groß, genauso wie in unserer Natur und im Universum.

Meditieren ist ein Kinderspiel

Bisher dachte ich, dass man beim Meditieren eine Menge Geduld braucht. Nachdem ich das Zeichnen entdeckt habe wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Die Geduld, die man beim Meditieren braucht, ist im Vergleich zum Zeichnen ein Klacks, jedenfalls für mich. Ich bin bei YT über einige Zeichen Videos gestolpert, die mich so fasziniert haben, dass ich es unbedingt ausprobieren musste.

Ich fand schon immer Bilder schön, bei denen man erkennen kann, was es ist. Bei denen man das Gefühl hat, dass der Maler sehr viel Zeit, Energie und Leidenschaft in das Bild gesteckt hat. Deshalb mag ich auch die alten Meister so sehr. Das ist für mich echte Kunst denn für solche Meisterwerke muss man sich in der Zeichenlehre und in der Anatomie des Menschen auskennen, sowie Mimik und Gestik ausdrücken können.  Mit abstrakter Kunst konnte ich nie viel anfangen, was nicht heißt, dass ich sie ablehne. Auch hier gibt es fantastische Möglichkeiten, die den Betrachter nur staunen lassen können.

Bisher dachte ich, dass Meditieren eine Menge Geduld erfordert. Nachdem ich das Zeichnen entdeckt habe wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Die Geduld, die ich beim Meditieren brauche, ist im Vergleich zum Zeichnen ein Klacks, jedenfalls für mich. Ich bin bei YT über einige Zeichen Videos gestolpert, die mich so fasziniert haben, dass ich es unbedingt ausprobieren musste.

Der Künstler Peter Dranitsin hat mir hier besonders gut gefallen, er stellt die Natur in all seiner Pracht so wunderbar dar. Und den habe ich mir ausgesucht.

Einfach machen

Wenn ich etwas möchte fackel ich nicht lange denn denke ich zu viel darüber nach mache ich es nicht. Einen ganzen Tag lang habe ich mir Videos Zeichnen abgeschaut. Dann bin in den nächsten Baumarkt marschiert und habe mir Farben, Leinwand, Spachtel und Pinsel gekauft. Als Staffel habe ich unser Whiteboard benutzt, was sich dafür hervorragend eignet.

Kurz darauf ging es los, wobei das so einfach gar nicht war. In den Videos sieht jeder Pinselstrich so leicht und einfach aus. Als ich vor meiner blütenweißen Leinwand stand war mein erster Gedanke: Hoffentlich versaue ich die Leinwand nicht denn einen „Zurück-Button“ hat so ein Ding ja nicht. Vermalt man sich ist das ganze Ergebnis dahin. Einfach wild drauf los zeichnen geht also nicht, hier will jeder Pinselstrich vorher gut überlegt sein. Egal, irgendwie anfangen muss ich ja, sonst kommt der Baum nie auf die Leinwand.

Geduld ohne Ende

Nach langem Zögern, wie ich das machen soll, habe ich einfach angefangen. Das Video lief nebenbei als Unterstützung. Ganz schnell war mir klar, dass es eine Menge Geduld braucht. Sehr viel mehr als ich dachte. Für mich eine sehr gute Übung, denn Geduld habe ich immer zu wenig.

In den Videos sieht man wie der Maler immer und immer wieder die gleichen Pinselstriche oft an ein und derselben Stelle macht. Wieder und wieder werden sie übermalt und wieder hervorgehoben. Oft bleibt nur ein ganz winziger Teil später sichtbar. Ich fragte mich insgeheim, warum so viel Aufwand? Woher nimmt der Mann diese Geduld? Vieles von dem, was er erst zeichnet, wird später sowieso wieder übermalt und mit anderen Farben verbunden.

Die Antwort: Er weiß was er tut, weil er es vorher viele Stunde lang ausprobiert hat. Schaut man seine Ergebnis an, versteht man genau, warum. Jeder einzelne Pinselstrich, und sei er noch so klein und unbedeutend, ist für das Endergebnis wichtig. Das Bild würde einfach nicht so detailliert, farbintensiv und struckturreich, mit all seinen Tiefen und Höhen aussehen. Nur all die großen und kleinen Schritte vorher machen das Bild zu dem was es ist, ein beeindruckendes Kunstwerk.

Nichts, was sich wirklich lohnt, ist einfach

So einfach wie es in den Videos aussah, war es natürlich nicht. Es hat mich wieder darin erinnert, dass es sich lohnt dran zu bleiben, weiter zu machen, nicht aufzugeben. Auch dann nicht, wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass trotz aller Bemühungen jemals ein passables Ergebnis zustande kommen soll. Die Mühe und die Geduld sind es wert. Mein erstes Bild sah ganz passabel aus. Mein nächster Versuch ist natürlich gleich drei Mal größer als das erste Bild. Genau das richtige für mich. Ich bin mehr als gespannt und übe mich geistig schon jetzt in Geduld.

Traust du dir etwas, auch wenn du es noch nie gemacht hast, lässt es dich wachsen. Du lernst, auch dann zu handeln, wenn du Angst vor etwas hat. Das lässt dich über den eigenen Tellerrand schauen. Du kannst nur dazu lernen, selbst wenn nicht alles beim ersten Versuch klappt. Geduld und Vertrauen sind hier ganz wichtig, vor allem mit sich selbst.

Es gibt ein simples Sprichwort, was es auf den Punkt bringt. „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“.

Das heißt nichts anders als: Dran bleiben, dran bleiben, dran bleiben. Üben, üben, üben. Du kannst nur besser werden. Mit ein wenig Geduld geht alles leichter.



Gib niemals, niemals, niemals, niemals, niemals auf, weder in großen noch in kleinen, weder in bedeutenden noch in geringfügigen Dingen, außer aus ehrenvoller Überzeugung oder aus Vernunftgründen“.


Winston Churchill (*1965)


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