Glück im Sonderangebot

Gibt es ein Patentrezept für Glück? Und wenn ja, was bedeutet das für uns?

Ich steige aus der Bahn und laufe die letzten 3 Stationen zum Büro, in dem ich arbeite. Ein kleines Immobilienbüro mitten im Herzen Berlins. So früh am Morgen ist es noch dunkel und es regnet in Strömen. Dieser Januarmorgen bläst mir kalten Wind ins Gesicht, was mich jedoch nicht davon abhält freiwillig zu Fuß weiter zu gehen.

Immer, wenn ich draußen in der Natur oder in der Stadt unterwegs bin, kann ich so wunderbar meinen Gedanken nachhängen. Ich mag das sehr und es ist mein kleines Morgenritual geworden. Der Weg zum Büro führt dabei alles andere, als durch idyllische Natur. Eher durch Betonwüsten und über stark befahrene Kreuzungen, mitten durch Berlin. Wer das Areal rund um den Bahnhof Zoo kennt, weiß was ich meine. Mein Kopf ist jedoch am Montagmorgen noch frisch und mein Gehirn noch nicht so vernebelt vom Alltag.

Genau in diesem Moment schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: „Was ist eigentlich Glück und ist Glück ein Gefühl?“ Warum mir die Idee gerade jetzt in den Sinn kommt bleibt ein Rätsel. Unpassender könnte der Zeitpunkt nicht sein, denn es liegt eine lange und anstrengende Arbeitswoche vor mir. Trotzdem interessierte es mich, ich fand die Frage plötzlich ganz spannend. Wir alle sind scheinbar ewig auf der Suche nach unserem ganz persönlichen Glück. Grund genug, dieses scheinbar schwer zu greifende Phänomen etwas genaue zu untersuchen.

Glück hängt für mich nicht nur von äußeren Faktoren oder Umständen ab, auch wenn wir deren Einflüssen 24h am Tag ausgesetzt sind. Wenn es an einem Montagmorgen dunkel ist und regnet haben die meisten von uns automatisch schlechte Laune und erst recht keine Lust auf den Job. Scheint dagegen die Sonne von einem strahlend blauen Himmel fällt es uns viel leichter aus dem Bett zu springen und zur Arbeit zu gehen. Sehen wir einen kleine tapsigen Hundewelpen versetzt uns das viel eher in Verzücken, als wenn uns jemand in unfreundlichem Ton darauf hinweist, dass die Mülltonne vor dem Haus nicht rechts, sondern links vom Eingang zu stehen hat.

Von welchen Umständen hängt unser Glück noch ab? Kommt es eher auf unsere inneren Einstellung an? Kommt es auf unsere Kindheit, unsere Erfahrungen und unsere Gedanken an? Oder ist es von jedem etwas und wir finden die Lösung irgendwo dazwischen?

Ist Glück ein Gefühl?

Wenn Glück ein Gefühl ist, warum suchen dann so viele Menschen ein Leben lang ihr ganz eigenes Glück im Außen? Kann man ein Gefühl suchen und dann finden?

Wir können Glück nicht kaufen. Stell dir vor du gehst in ein Geschäft und bestellst an der Ladentheke 1 Kilogramm Glück. Schön säuberlich verpackt auf deine persönlich zugeschnittenen Bedürfnisse, je nachdem, wieviel oder wenig du gerade brauchst. Das ist eine verlockende Vorstellung. Nur wurde das Produkt Glück bisher noch nicht erfunden.

Glück lässt sich nicht anbauen, konservieren, lagern oder anderweitig herstellen, um es dann als Massenprodukt mit hohen Profiten, für ein paar wenige, an Millionen von Menschen teuer zu verkaufen. Du kannst Glück auch nicht auf Vorrat im Tiefkühlschrank einfrieren und portionsweise wieder auftauen, wenn du es gerade brauchst.

Glück hat jedoch eine ganz spezielle und unübertreffliche Eigenschaft. Glück ist ein frei verfügbares Gut. Niemand kann ein Patent drauf anmelden und es für sich beanspruchen. Jeder kann jedoch Glück für sich selbst erschaffen, auf seine ganz persönliche Art und Weise.

Alles nur eine Frage der Einstellung?

Aber wie ist es möglich? Wie können wir Glück in unser Leben hinein holen?
Glück zu fühlen, zu empfinden und zu leben hat für mich viel mit einer ganz bestimmten Einstellung zu tun. Die Einstellung mir und meinem Leben gegenüber und was ich daraus mache. Dabei bin ich bei weitem keine Expertin darin, ständig glücklich durch die Welt zu laufen. Ich habe lange nicht kapiert, dass materielle Dinge, Geld oder Status mich alleine nicht glücklich machen.

Jetzt wird der eine oder die andere vielleicht denken: Schon wieder Jemand, die Geld und seine Folgen verwünscht und uns das bisschen Spaß nicht gönnt. Nein, ganz und gar nicht. Nein, ganz und gar nicht.  Ich schätze die Verfügbarkeit von Geld und materiellen Dingen sehr wohl. Ich lebe ja auch nicht nackt im Wald und ernähre mich nur von Beeren. Außerdem können wir mit Geld viel Gutes in der Welt bewirken.

Nur mache ich mein persönliches Glück nicht abhängig davon. Besitz jeglicher Art ist für mich letztendlich nur tote Materie und beliebig austauschbar. Es kann mir durch veränderte Lebensumstände, Katastrophen oder was auch immer genommen werden. Würde mein Glück einzig nur davon abhängen wäre das mein Untergang.

Denk dich glücklich – ist doch ganz einfach

Es hört sich immer so leicht an und wird ja auch in so vielen Büchern, Zeitschriften, Ratgebern oder von Coaches fast schon gepredigt. Tausche deine Gedanken doch einfach gegen Neue aus. Ganz nach dem Motto: „Denke nach und werde glücklich“. Zack, Problem gelöst.

Es ist nicht so leicht, sich mal eben eine glückliche Einstellung ins Gehirn hinein zu denken. Glückliche Gedanke kann man nicht irgendwo bestellen oder sie wie ein Update in den Kopf laden. Das ist Arbeit, und zwar jeden Tag. Selbst dann, wenn man es geschafft hat und die perfekte Einstellung für sich gefunden hat, will genau diese Einstellung gehegt und gepflegt werden. Ich für meinen Teil glaube nicht, dass es etwas ist, was man erreicht, um irgendwann einen Haken dran zu machen. Es ist vielleicht vergleichbar mit einer Beziehung oder einer Ehe. Die sind auch nicht ein Leben lang automatisch glücklich, wenn wir nicht jeden einzelnen Tag daran arbeiten.

Oder ein prachtvoller Garten. Es dauert lange, bis aus den Samen wunderschöne Blumen und Pflanzen wachsen. Bis es soweit ist brauchen sie viel Sonne Wasser, Luft und Liebe. Damit der Garten seine volle Pracht entfalten kann braucht er jeden Tag unsere Aufmerksamkeit und Pflege. Und die braucht er sein ganzes Leben lang, sonst verkümmert er schnell wieder und verblüht, genau wie das Glück in unserem eigenen Leben.

Was ist Glück?

Jeder definiert Glück anders. Für den einen sind es die berühmten Millionen auf dem Konto, für den anderen ist es die Bestätigung im Job. Wieder für andere ist es die eigene Familie, das Schreiben von Büchern, das neueste Handymodell, Kleidung, Autos, Minimalismus, Bergsteigen oder was auch immer. Hier gibt es keine eindeutige Aussage, anhand derer festgemacht werden kann, ob es sich um Glück handelt oder nicht. Denn es ist für jeden etwas anderes.

Meine bessere Hälfte zum Beispiel liebt Zahlen, Tabellen und Schokolade. Mit Hingabe erstellt mein Schatz Tabellen in allen möglichen Varianten.  Er füllt diese mit Zahlen, ebenfalls in allen möglichen und unmöglichen Varianten. Einer guten Schokolade kann er meist nicht widerstehen. Ich kann mit Zahlen so überhaupt nichts anfangen, mit Schokolade dagegen sehr wohl.

Selbst die Werbung hat die Patentformel für Glück noch nicht entdeckt. Dabei ist es ihr tägliches Brot, den Menschen durch ausgeklügelte Marketingstrategien zu gezieltem Konsum und damit zu vermeintlich mehr Glück im Leben zu verhelfen.

Fritz, der Glückskeks

An dieser Stelle kann ich nur für mich sprechen. Mich zum Beispiel macht es glücklich, wenn jeden Morgen unser Büro Hund Fritz durch die Tür herein gesprungen kommt und sich über jeden freut der da ist. Alle werden von ihm freudig begrüßt und sofort als Freund akzeptiert. Wenn ich in diese kleinen süßen Hundeknopfaugen sehe, geht mir einfach das Herz auf. Es kann mir noch so bescheiden oder miss gehen, dem Fritz ist das egal. Er hat mich trotzdem lieb und freut sich, dass ich da bin.

Mich macht es glücklich, wenn ich Zeit mit meiner Familie verbringen darf, denn das war nicht immer so.  Für mich ist das ein Privileg und nicht selbstverständlich. Unter einer jahrelangen Trennung habe ich sehr gelitten. Hier hat sich gezeigt, wie wertvoll etwas wirklich ist, wenn man es nicht mehr hat. Wir nehmen die Menschen in unserem Leben oft als selbstverständlich hin, aber das sind sie nicht.

Ich bin unendlich glücklich, wenn ich irgendwo auf der Welt an einem Strand im Sand sitzen darf und die Wellen beobachten kann. Ich liebe das Gefühl, Sand zwischen meinen Fingern durchlaufen zu lassen, den Wind in meinen Haaren und die Sonne auf meinem Gesicht zu fühlen.

Oder die Geburt meiner Tochter. Das war das wunderschönste und Beste, was mir je in meinem Leben wiederfahren ist. Mit keinem Geld der Welt könnte ich diese Glücksgefühle kaufen.

Die nackte Wahrheit

Es gibt es nicht, das Patentrezept für Glück. So wie es Milliarden Menschen auf unsere Welt gibt, gibt es mindesten genauso viele Definitionen von Glück.  Für jeden von uns bedeutet Glück etwas anderes und das ist gut so.

Was macht dich glücklich? Was zaubert dir ein Lächeln aufs Gesicht und lässt dich alles um dich herum vergessen? Was lässt dein Herz höher schlagen, weil du es vor Freude kaum aushältst und die ganze Welt umarmen möchtest.

Ich selbst bin weiter auf der Suche nach dem großen Geheimnis des Glücks. Mittlerweile habe ich zumindest eine Idee davon. Ich für meinen Teil denke, dass Glück zuerst in uns selbst beginnt. Ich kann noch so reich im Außen in Form von Geld, Macht oder materiellen Dingen sein. Bin ich innerlich einsam, traurig oder habe mein Herz vor der Welt verschlossen, dann bin ich dennoch unglücklich.

Nichts auf der Welt lässt mich annähernd so viel Glück fühlen, wenn ich Zeit mit meiner Familie und Freunden verbringen kann oder ein Tag am Meer und in der Natur sein darf. Das sind Erlebnisse und Erinnerungen, die mir keiner mehr nehmen kann. Sie sind für immer in meinem Besitz. Und davon kann ich nie genug bekommen.

Menschliches Glück stammt nicht so sehr aus großen Glücksfällen, die sich selten ereignen, als vielmehr aus kleinen glücklichen Umständen, die jeden Tag vorkommen.

Benjamin Franklin

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