Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut

  • Da hat man tausend Dinge auf seiner ToDo Liste stehen und nichts geht mehr. Und das was man gerade am meisten braucht steht nicht drauf. Was kann man tun, ohne im Chaos zu versinken oder sein Gesicht zu verlieren?

Es ist Donnerstagnachmittag nach 16 Uhr, langsam wird es dunkel, draußen regnet und stürmt es schon den ganzen Tag, und noch bin ich im Büro. Seit einigen Tagen ist der Winter nun endgültig angekommen mit allem, was so ein Winter mit sich bringt. Immer wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, wenn es draußen kälter und drinnen wieder kuschliger wird, schwindet meine Energie. Alles wird langsamer, fühlt sich schwerer an. Egal, ob morgens aus dem Bett zu kommen oder am Abend im Dunkeln wieder nach Hause zu fahren.  Dabei liebe ich den Winter.

Winter Modus

Ich kann abends Kerzen anzünden, mich in eine Decke kuscheln und ganz viel heißen Tee trinken. Das ist umso gemütlicher, wenn draußen die Welt unter geht. Ich kann ohne schlechtes Gewissen ganze Wochenenden auf der Couch verbringen und wahre Filmemarathons veranstalten.

Viele von uns fahren dann in den „Ich bewege mich nur wenn es sein muss- Modus“ und bleiben gern mal drin stecken. So wie ich zurzeit.  Sich da wieder rauszuschälen bedarf es schon einiger Willenskraft, gewöhnt man sich doch so schön schnell ans „Nichtstun“.

Hallo, ich bin es, dein schlechtes Gewissen

Es dauert nicht lange und mein Gewissen drängelt sich unangenehm in meinen Verstand. Denn zu tun gäbe es genug, will doch dies und jenes erledigt werden. Netterweise gibt mir mein Gewissen zu verstehen, dass man „dies“ und „jenes“ völlig wetterunabhängig auch drinnen tun kann.

Das setzt mich überhaupt nicht unter Druck.

Ich stehe gerade an einer Stelle, wo ich einen Schritt nach dem anderen gehen möchte und irgendwie auch muss, wenn ich voran kommen will. Tue ich aber nicht, denn ich stehe mir selbst im Weg. Endlich weiß ich in welche Richtung ich will. Die ersten Schritte sind gemacht und nun hänge ich fest. Ich könnte mir ja selbst eine Tritt in der Allerwertesten geben aber das ist anatomisch nicht möglich.

Ich komme einfach nicht ins Handeln, tue mich schwer, bin ständig müde, versuche mich mit dem Wetter und dem wenigen Licht anzufreunden und vor allem mit der Kälte. Ich war schon immer Team Murmeltier im Winter. Ich bin im Sommer geboren und ein Sommerkind durch und durch.

Falsche Richtung?

Es hört sich an wie Jammern auf hohem Niveau und ist es vielleicht auch. Schlaue Menschen meinen dann gern, dass die Richtung nicht stimmt, die man sich ausgesucht hat, wenn du nicht ständig 24 Stunden am Tag auf Hochtouren vor lauter Begeisterung läufst. Darüber kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Diese Problem anzusprechen finde ich wichtig. Ich glaube, dass sehr viel mehr Menschen an diesem „Stolperstein“ scheitern können als man denkt. Es spricht nur keiner drüber, weil in unserer Hochleistungsgesellschaft kein Platz oder gar Verständnis dafür da ist. Im Gegenteil, es wird als Schwäche angesehen, wenn man nicht rund um die Uhr funktioniert.

Eine Lösung muss her

Da stehe ich nun, hin und her gerissen zwischen Herz und Verstand. Der eine will das, der andere das. Was tun, um beiden gerecht zu werden?

Höre ich auf meine Intuition fühlt es sich innen drin gut an.  Das nennt man herzgesteuert. Arbeite ich gegen mich, um doch einen Schritt voran zu kommen und kein schlechtes Gewissen zu haben, fühlt es sich schlecht an. Das nennt man verstand gesteuert. Meist geht das Gefühl mit einem gewissen Druck und „müssen“ einher. Ob die Ergebnisse entsprechend besser sind, die in so einer Phase entstehen lasse ich lieber außen vor…

100 % Trefferquote

Wenn ich diese Zeilen so lese, kann ich die Antwort eigentlich sehen. Das Herz weiß ganz genau, was richtig ist. Nur wird es allzu oft nicht von uns gehört und vom Verstand einfach verdrängt.
Dabei ist unser Herz mit einer Treffsicherheit von 100 % in Sachen Entscheidungen ausgestattet. Es weiß einfach, was gut für „seinen Menschen“ ist und was nicht. Jeder von uns hat das schon mal erlebt.

Dafür…

Wenn du dich für etwas entscheidest aus ganzem Herzen und nicht aus dem Verstand heraus, dann spürst du das. Dann bist du aufgeregt, kannst es kaum erwarten, möchtest sofort loslegen. Mehr Arbeit ist dir völlig egal, egal wie spät oder früh es ist, oder wie lange es dauert. Alles in dir vibriert vor Freude und Tatendrang. Du erzählst jedem davon, könntest die ganze Welt umarmen, du brennst förmlich dafür, nichts hält dich mehr auf.

Dagegen…

Anders fühlt es sich an, wenn du eine Entscheidung triffst, die dein Verstand entschieden hat. Vielleicht weil es vernünftiger ist, weil alle in deinem Umfeld das so sehen oder du dich nicht getraut hast, dich anders zu entscheiden, aus Angst vor Konsequenzen. Das sind reine Vernunftentscheidungen.

Du riskierst nicht allzu viel, eckt in deiner Familie und der Umgebung nicht an, machst dir selbst lieber keinen Stress. Du ersparst dir eventuellen Ärger oder auch Enttäuschungen damit.  Aus deiner geliebten Komfortzone musst du nicht raus und verbrennst dir nicht die Finger. Dafür nimmst du ein fehlendes Ja zu dir selbst, fehlende Leidenschaft, Hingabe, Liebe und das Gefühl, einen Kompromiss gemacht zu haben in Kauf.

Egal ob große oder kleine Entscheidungen, es trifft auf beides gleichermaßen zu.

Ich will mich nicht entscheiden

Typisch Mensch, entscheide ich mich nur ungern für die „eine“ oder „andere“ Seite.

Mit einer ganz klaren Entscheidung wäre zwar der Sache an sich gedient, mir als Menschen mit meinem Verstand jedoch nicht. Denn ich muss mich ja dann auch ganz klar gegen etwas entscheiden. Und genau an diesem Punkt tun sich die meisten Menschen schwer. Ich nehme mich da nicht aus.

Nur wie soll das aussehen, sich für „beides“ entscheiden? Ein bisschen Herz und ein bisschen Verstand? Sieht schon beim Lesen komisch aus und ist keine Lösung. Denn es liest sich so wie es aussieht. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Dann doch lieber, entweder, oder. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert, sich für etwas ganz oder klar dagegen zu entscheiden. Und eben mal keine halben Kompromisse einzugehen. Was soll schon passieren

Riskier mal was

Meist sind es Entscheidungen, die nicht gleich unser ganzes Leben völlig umkrempeln, sondern eher „banale“ Alltagsentscheidungen. Hier kannst du ruhig mal was riskieren und beobachten, was passiert, wenn du dich entschieden hast. Das kann ein Besuch zu einem Geburtstag sein, auf den man keine Lust hat oder sich selbst zu erlauben, einfach mal nichts zu machen.

Der Spruch: „Wer versucht, sich immer alle Türen offen zu halten, wird sein Leben auf dem Flur verbringen“, passt hier ganz gut. Ich mag ihn, weil er es auf den Punkt bringt.

Schritt für Schritt

In meinem Fall kann nicht mehr passieren, als das ich die nächsten Wochen und Monate mit herunter gefahrenem Energielevel durchs Leben gehe und in meinem eigenen Tempo die nächsten Schritte mache. Schritte, die nicht unbedingt kräfte- und nervenzerrend sein müssen, aber Schritte, die wichtig sind und die ich oft aus Zeitmangel gerne mal hinten runter fallen lasse.

 Z.b. Recherchen über die Schreiberei, ausprobieren, überhaupt erstmal die verschiedenen Arten kennen lernen, um heraus zu finden, wie ich besser werden kann.

Persönlichkeitsentwicklung ist ebenso ein großes Thema bei mir. Es ist spannend, wie man durch kleine Änderungen im Alltag zum Teil große Änderungen in seiner Wahrnehmung und damit in der Entwicklung seiner Person bewirken kann. Das ist alles noch Neuland für mich und es gibt so viele tolle Quellen. Hier die richtigen für mich heraus zu finden, auch das braucht Zeit und geschieht nicht nebenbei.

Gut Ding will Weile haben

All die neuen Dinge im Leben wollen beachtet , wahrgenommen, etabliert, gehegt und gepflegt werden. Sonst sind sie nicht von langer Dauer und geraten schnell wieder in Vergessenheit, weil sie keine Zeit bekommen haben, erste Wurzeln zu schlagen und damit ein fester Bestandteil im Leben zu werden.

Der Winter bietet geradezu ideale Rahmenbedingungen, einen Gang zurück zu schalten und sich mit den Dingen zu beschäftigen, die noch immer oft unterschätzt werden im Leben und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Die sogenannten Soft Skills, eine Kombination aus persönlicher Kompetenz, wie z.B. Selbstvertrauen, Selbstreflexion, Engagement und sozialer Kompetenz, wie Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis, Kommunikationsfähigkeit.

Hier kann ich noch so viel lernen denn ich weiß, dass es mir auf meinem Weg weiterhelfen wird. Was spricht dagegen, diesem wichtigen Teil die volle Aufmerksamkeit zu widmen und die dunklere Jahreszeit dafür zu nutzen? Nichts. Im Gegenteil, jetzt habe ich viel mehr Ruhe dafür, weil mich das tolle Sommerwetter nicht ständig nach draußen zieht und mich bis spät in der Nacht unterwegs sein lässt.

Endlich Zeit für alles

Wenn ich mir das anschaue, hätte der Winter gar nicht besser als zum jetzigen Zeitpunkt kommen können. Denn das gibt mir den Freiraum mich mit all den neuen Dingen zu beschäftigen. Und ich kenne mich. Wird meine Ungeduld zu groß, weil ich das Gefühl habe, dass nichts voran geht fange ich auch schon mal kopflos an in blinden Aktionismus zu verfallen. Wohl wissend, dass das zu keinem richtigen Ergebnis führen wird. Und das nur, um irgendwas zu machen.

Im Ergebnis ist man dann enttäuscht und demotiviert denn man hat es ja eigentlich schon vorher gewusst. Das passiert vor allem auch dann, wenn man ohne wirkliches Wissen und Ahnung mal schnell was starten will.

Perfektionismus bringt hier übrigens auch nichts. Denn bist du dem verfallen, kommst du ebenso nicht ins Handeln. Du wirst nie perfekt auf alles vorbereitet sein. Und das ist gut so, denn es lässt dir Raum für Veränderungen, um mit deinen Aufgaben wachsen zu können.

Sei ein Baum

Ich mache es einfach wie die Bäume. Die stressen sich ja auch nicht, weil sie jedes Jahr ihre Blätter verlieren mangels Energie. Die wissen ganz genau, dass im Frühjahr alles wieder wächst und dann geht’s wieder so richtig los.

So hin und her gerissen ich noch am Anfang war, so klar liegt die Entscheidung jetzt vor mir. Jetzt weiß ich es, denn ganz Verstandsmensch, der ich dennoch meistens bin, hat es mir mein Verstand erklärt. Denn ich tue nicht nichts, sondern widme einen Teil meiner Zeit den Dingen, die ich sonst unter den Teppich gekehrt hätte. Dabei sind die genauso wichtig.

Das Herz hat entschieden und der Verstand setzt es um. Das nenn ich Teamwork 😉

Stress dich nicht ständig, hör mehr auf dein Herz und schicke deinen Verstand ab und zu mal in die Pause. Finde deinen eigenen Rhythmus und setze dich nicht unter Druck.  Lass dir kein schlechtes Gewissen einreden, auch nicht von dir selbst.

Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Unbekannt

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