Immer diese Entscheidungen

  • Kennst du das, wenn du tausend Ideen hast und dich für nichts wirklich entscheiden kannst? Am liebsten würdest du alles gleichzeitig machen denn alles ist auf den ersten Blick so verlockend?
  • Es gibt so viele Möglichkeiten und immer wieder neue Dinge zu entdecken und auszuprobieren. Ein einziges Leben reicht dafür nicht aus.

Das Problem

Habe ich mich für etwas entschieden dauert es nicht lange und etwas anderes „Neues“ erscheint auf der Bildfläche. Und schon kommen Zweifel, ob die Entscheidung für das, was ich gerade tue, richtig war. Denn warum schafft es etwas „Neues“ mein Interesse auf sich zu ziehen, wenn ich doch vorher so felsenfest davon überzeugt war?

Aus Angst sich für das „Falsche“ zu entscheiden entscheidet man sich entweder gar nicht oder man versucht alles unter einen Hut zu bekommen. Zweiteres geht eine Weile lang gut, artet aber schnell in Stress aus. Denn neben all den neuen Interessen ist da ja auch noch der Vollzeitjob und die Familie.

Kein Ausweg

Beide Varianten hinterlassen ein dumpfes Gefühl, denn sie bringen uns nicht weiter. Sich für etwas Neues zu entscheiden, sich voll und ganz darauf einzulassen, in die Tiefe zu gehen und mit Leidenschaft dabei sein braucht Zeit und will gut überlegt sein. Zeit, die in unserer schnelllebigen Zeit nur noch wenige bereit sind, wirklich aufzuwenden.

Das müssen nicht immer riesen große Projekt sein, die gleich die ganze Welt verändern. Das kann auch eine neue Sprache, eine neue Sportart, Malen, Tanzen, ein Instrument spielen lernen, etc. sein.

Grünes Gras

Jetzt ist es nicht so, dass ich vorher nicht lange genug drüber nachdenke und vorschnell kopfüber eine Entscheidung treffe. Dennoch passiert es immer wieder, dass ich irgendwann an den Punkt komme, wo ich zweifele, weil ich schon wieder was Neues entdeckt habe. Bekannt auch unter dem „Da drüben ist das Gras viel grüner“-Syndrom. Und schon ist der Fokus nicht mehr 100 % auf dieser einen Sache, denn mit einem Auge schielt man dann schon zur zweiten neuen Sache rüber.

„Man könnte ja was verpassen, nur mal kurz gucken“, denkt man sich und Schwups, ist man in der Falle. Aus dem „kurz mal gucken“ wird nichts denn es ist schon wieder viel zu interessant geworden.

Scanner?

Vor kurzem habe ich etwas über sogenannte Scanner gehört. Damit sind nicht die Geräte gemeint, mit denen man was scannt, sondern Menschen, die sehr viele Interessen haben und Mühe, sich zu entscheiden. Da wir Sätze hören wie „Du kannst nicht auf allen Hochzeiten tanzen“ oder „Schuster bleib bei deinen Leisten“ steht man unter Druck, sich immer nur für eine Sache entscheiden zu müssen.

Ich mag diese „Glaubenssätze“ zwar nicht aber eine Folge hat es eben doch, wenn du alles auf einmal machen willst. Du machst überall ein bisschen aber nichts zu 100 %. Dadurch hast du keine Chance in die Tiefe zu gehen denn Zeit dafür ist nicht da. Selbst wenn du dich voll und ganz all deinen Interessen widmen könntest, der Tag hat auch hier nur 24 Stunden.

Ursachen

  • Ablenkung
    Unser Gehirn ist so gestrickt, dass es sich schnell ablenken lässt. Es verlangt ständig nach neuen Reizen. In Sekundenschnelle verarbeitet es tausende Eindrücke und Informationen von außen. Dauernd wollen wir etwas Neues erfahren, sehen, hören, finden, lernen, schmecken fühlen, riechen. Dadurch fällt es uns oft schwer uns längere Zeit auf eine einzige Sache zu konzentrieren.
  • Zeit
    Oft unterschätzen wir die Zeit, die es braucht, um etwas Neues wirklich zu lernen, zu durchdringen, zu verstehen und zu beherrschen. Wir sehen nur das Ergebnis am Ende, sind Feuer und Flamme am Anfang und übersehen dabei, welche Zwischenschritte notwendig sind.  Zudem sind wir auf schnellen Erfolg gepolt. Dauert etwas zu lange verlieren wir das Interesse denn die Belohnung, der Erfolg, bleibt aus
  • Bereitschaft
    Das ist für mich der bemerkenswerteste Punkt, weil ich darüber nie nachgedacht habe. Horst Vogel hat es in seinem Buch „Ach könnt ich euch nur ändern…“ so wunderbar einfach beschrieben. Sich für etwas entscheiden heißt nicht automatisch, auch bereit dafür zu sein. Dieser Satz war für mich wie ein Augenöffner. Denn Entscheidungen treffen wir schnell, das hat im ersten Moment noch keine echten Konsequenzen. Diese folgen erste, wenn wir ins Handeln kommen.

Lösung

Und genau an diesen Punkt lohnt es sich, bewusst drüber nachzudenken

  • Bin ich ganz sicher bereit, meine Entscheidung in die Tat umzusetzen?
  • Bin ich wirklich bereit alles, wirklich alles dafür zu tun?
  • Weiß ich überhaupt, was notwendig ist, um ans Ziel zu kommen?
  • Bin ich bereit, Zeit zu investieren und dafür eventuell weniger Freizeit zu haben?
  • Bin ich mir im Klaren darüber, dass garantiert Aufgaben kommen werden, die mir keinen Spaß machen aber dennoch notwendig sind?
  • Ist meine Motivation so stark, dass sie mich auch durch schwierige Zeiten tragen kann?
  • Reicht mein Beweggrund aus um Problemen, Ablenkung oder gar Ablehnung Stand zu halten?
  • Kann ich mir „das Umsetzten“ meiner Entscheidung mit all seinen Konsequenzen wirklich im Alltag vorstellen? Auch für längere Zeit, manchmal sogar Jahre?

Alles nur Glück?

Meist sehen wir nur das fertige Ergebnis und haben keine Ahnung, was wirklich dahinter steckt. Oft zeigen wir schnell mit dem Finger drauf und gesagt „Das war nur Glück“. Schweiß, Mühe, Kraft, Anstrengungen, Entbehrungen, schlaflose Nächte, Ängste und Sorgen bleiben für uns verborgen. Und genau dazu sind wir oft nicht bereit. Wir wollen nur die schönen Seiten und lehnen die anderen ab. Es gehören jedoch immer zwei Seiten dazu, die akzeptiert werden wollen. Denn nur so sind wir in der Lage, auch die weniger angenehmen Aufgaben zu meistern.

All diese Überlegungen schützen uns nicht davor, dennoch Fehlentscheidungen zu treffen. Und das ist auch gut so. Denn das sind Erfahrungen, die wir brauchen, um zu wissen was wir wollen.
Das eigene Herz ist dafür übrigens ein guter Indikator. Es weiß sehr genau, was wir wollen und was nicht. Oft hören wir nur nicht richtig hin, weil sich unser Verstand dazwischen schiebt und das Herz überlagert.

Du hast die Wahl

Diese Herangehensweise kann uns helfen besser zu unterscheiden, ob wir nur dem kurzfristigen Reiz des Neuen erlegen sind oder ob wir echtes Interesse daran haben und bereit sind, etwas Neues in unserem Leben aufzunehmen und zu integrieren.

Und das wiederum schützt uns davor, halbherzig bei der Sache zu sein, vorzeitig aufzugeben, den Mut zu verlieren und frustriert zu werden. Erleben wir das zu oft, trauen wir irgendwann unseren eigenen Entscheidungen nicht mehr. Und das ist nicht unser Ziel. Die Welt ist voller Möglichkeiten, die nur darauf warten, entdeckt und ausprobiert zu werden. Dabei mach es Sinn, vorher ein wenig mehr drüber nachzudenken.

Ich wünsche dir viel Spaß bei der nächsten Entscheidungsfindung und hoffe, dass ich dich ein wenig dabei unterstützen konnte.

Entscheide, was du willst, und entscheide, was du dafür aufgeben willst. Setze deine Prioritäten und mach dich ans Werk.


Haroldson Hunt

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