Keine Zeit für Glück

  • Haben wir wirklich keine Zeit für Glück im Alltag?
  • Passt Glück in unsere durchorganisierte Welt überhaupt hinein?
  • Wenn ja, wann ist die beste Zeit dafür und lässt sich Glück planen?

Ich laufe durch die Straßen Berlins an einem frostigen Februar morgen. Es ist noch ganz früh und langsam wacht die Stadt auf. Ich bin etwas früher dran als sonst und habe noch etwas Zeit, bis ich ins Büro muss. Die Luft ist eiskalt und glasklar. Der Himmel ist tiefblau und verspricht einen wunderschönen ersten Frühlingstag. Die Vögel zwitschern um die Wette. Gerade ist die Sonne mit einem spektakulären Sonnenaufgang aufgegangen. Ein ganz neuer Tag liegt vor mir.

In diesen Augenblicken könnte ich immer die Welt umarmen. Das sind Momente, in denen alles perfekt zusammen passt. Ich freue mich dann immer, genau in dieser Sekunde, genau an diesem Ort zu sein und das sehen und erleben zu können. Das Leben ist schön und ich bin mittendrin.

Du bestimmst, wo es lang geht…

Wohlgemerkt ich bin auf dem Weg zur Arbeit und nicht im Urlaub oder habe frei. Die Aussicht auf einen Achtstundentag in einem geschlossenen Büro ist für mich nicht sehr verlockend. Schon gar nicht bei diesem tollen Start in den Tag.  Arbeit ist etwas, dass die meisten von uns nur mit Widerwillen tun und als lästiges Übel empfinden. Ich kann es jeden Morgen an den Gesichtern der Menschen ablesen. Dabei suchen wir uns unsere Jobs selber aus. Wir bestimmen, was wir tun wollen und was nicht. Das scheinen so viele Menschen irgendwann zu vergessen und ergeben sich in ihre ungeliebten Jobs. Manchmal ein Leben lang.

Auch ich bin nicht immer glücklich mit meinem Job, doch könnte ich ihn jederzeit ändern, wenn ich das möchte. Diese Gewissheit empfinde ich als äußerst beruhigend. Allein die Möglichkeit überhaupt zu haben lässt mich immer die Wahl haben. Ob ich sie nutze ist etwas anderes.

Stell dir dein Leben selbst ein…

Ich bin so Happy darüber, dass ich mittlerweile auch im Alltag Glück empfinden kann. Das war nicht immer so und hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass es allein an mir liegt und wie ich das erreichen kann.

Immer besser verstehe ich, was es heißt, seine innere Einstellung nicht von äußeren Umständen abhängig zu machen. Sicher gibt es Dinge im Leben, die ich nicht ändern kann. Die muss ich hinnehmen und schlucken, ob ich will oder nicht.  Aber es gibt auch eine ganze Menge Dinge, die ich sehr wohl beeinflussen kann. Ich muss es nur wollen, mich trauen und vor allem die Verantwortung dafür selber in die Hand nehmen.

Ich möchte Glück, Freude, Freiheit und Leichtigkeit nicht nur erleben, wenn ich z. B. im Urlaub bin. Wenn ich frei von all den lästigen Alltagsverpflichtungen bin und endlich Zeit habe, glücklich zu sein. Ich will nicht warten, bis ich irgendwo im Urlaub an einem Strand unter einer Palme liege, um mich erst dann glücklich zu fühlen für einen kurzen Moment.

Glück nach Plan?

Was ist mit den anderen 47 Wochen im Jahr, in denen wir arbeiten und unseren Verpflichtungen nachgehen bis wir irgendwann wieder Urlaub haben? Endlich frei sein können, endlich das tun und lassen was wir schon immer gewollt haben.
Und bis es soweit ist verkneifen wir uns das Glücklichsein und verschieben es auf später. Kann das funktionieren? Ich bezweifle das, denn dann kommt der Druck im Urlaub, genau jetzt alles da reinzupacken, was einen glücklich macht. Und Spaß machen muss es und perfekt sein soll es auch. Denn wir haben so lange drauf gewartet. Jetzt nur keine Zeit verschwenden. Viel Zeit haben wir nicht, denn die ist begrenzt.

Geht es auch anders?

Ich finde diesen Gedanken schrecklich. Ich will nicht nur dann glücklich sein können, wenn alles perfekt ist. Im Leben ist nie alles perfekt. Ich möchte auch jetzt schon Leben, fühlen, lieben, lachen, frei sein. Und das jeden Tag und nicht nur auf einige wenige Wochen im Jahr beschränkt. Und genau das ist mit etwas Übung für jeden von uns möglich. Maßgeblich ist unsere grundsätzliche Einstellung sich selbst und dem Leben gegenüber.

Ist meine Einstellung positiv oder sehe ich in allem nur das Negative? Die Entscheidung liegt bei dir, niemand anderes ist dafür verantwortlich. Dabei müssen es nicht immer lebensverändernde Umstände sein, die uns zum Glück führen. Soweit müssen fürs erste gar nicht gehen.

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die so oft übersehen werden. Ein Sonnenaufgang, eine Melodie, der Duft von frischem Brot, ein Mensch, der einen liebt, eine Nacht unterm Sternenhimmel, das Meer, etc. die Liste ist unendlich lang.

Rebellische Gedanken…

Oder heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit. Ich wäre fast mit meinem Mann mit der Bahn durchgebrannt, in der wir um 7 Uhr morgens auf dem Weg zur Arbeit saßen. Wir hatten den kühnen Plan, einfach die Arbeit sein zu lassen, in der Bahn sitzen zu bleiben und nach Potsdam zum Kaffee trinken zu fahren. Den ganzen Tag hätten wir zusammen verbringen können. Was für Rebellen wir doch sind dachten wir. Über sowas können wir uns halbtot lachen. Auch das ist Glück. Wir haben uns dann doch dagegen entschieden, obwohl so ein bisschen Wehmut schon dabei war. Unsere Jobs hätten wir vermutlich nicht verloren, wenn wir es dennoch getan hätten.

Starke Menschen

Genau das sind diese kleinen Dinge, von denen wir träumen und die jeder umsetzten kann. Es gibt so viele Menschen da draußen, denen es so viel schlechter geht als dir und mir. Es gibt so viele Menschen, die haben so viele Schicksalsschläge einstecken müssen, wie andere in ihrem ganzen Leben nicht haben werden. Und dennoch schaffen es auch diese Menschen wieder Freude am Leben zu finden. Wenn die das können, dann können wir das auch.

Mich inspirieren diese Menschen unglaublich. Sie rütteln mich wach und zeigen mir, dass das Leben nicht so schlimm ist, wie wir oft meinen. Leben will gelebt werden und nicht als Last oder gar Strafe empfunden werden. Leben ist ein Geschenk und es liegt an mir, was ich daraus mache. Jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde.

Hör auf zu jammern

Jammere nicht über deinen Chef, der dich jeden Tag nervt, oder über deine Kinder, oder über deinen Partner, oder über das Wetter, oder über den Nachbarn, oder über die Nachrichten, oder über wen und was auch immer. Es ändert rein gar nichts an den Umständen.

Wenn du wirklich unglücklich bist nimm das nicht einfach so hin. Ein Versuch ist es immer Wert etwas an Deiner Situation zu ändern. Rede mit deinem Partner oder mit deinen Kindern. Hört euch gegenseitig zu. Setzt euch alle gemeinsam hin und findet zusammen Lösungen.

Negative Nachrichten lassen sich mit einem einzigen Klick abschalten. Wir müssen uns das nicht ständig reinziehen.  

Auch mit deinem Chef kannst du reden wenn du unglücklich bist im Job. Ein offenes und ehrliches Gespräch kann wahre Wunder bewirken. Chefs sind auch nur Menschen und nicht alle sind taub gegenüber ihren Mitarbeitern. Im Gegenteil, viele sind froh, wenn sie von ihren Mitarbeitern ein ehrliches Feedback bekommen, denn das trauen sich die Wenigsten. Nur so wissen sie wo es drückt und können etwas ändern. Und wenn wirklich nichts geht kannst du immer noch gehen.

Mut gehört dazu

Ich weiß, dass es nicht einfach ist, mal eben den Job nach 20 Jahren zu kündigen.  Aber wenn du unglücklich bist, hast du die Wahl. Bleibst du noch weitere 20 Jahre unglücklich oder wagst du die Veränderung und hast die Chance etwas zu finden, was dir Spaß macht und wo man dich wertschätzt.

Es liegt immer an dir selbst. Es wird niemand kommen und dein Leben für dich ändern. Nur du alleine kannst das.  Und manchmal müssen wir auch für etwas kämpfen. Manchmal müssen wir durch Prozesse gehen, die weh tun. Manchmal sind wir kurz vorm Aufgeben, weil wir denken wir schaffen es nicht. Dann zweifeln wir und sind wütend. Und wenn wir dann wieder aufstehen und weiter kämpfen, für das was uns wirklich wichtig ist, dann haben wir eine riesen große Chance, unser Leben selbst zu bestimmen.

Fang an

Wir können uns unser Leben nach unseren Vorstellungen einrichten und müssen das nicht nach den Vorstellungen anderer tun. Je mehr wir das tun, desto glücklicher werden wir ganz automatisch. Davon bin ich überzeugt. Das betrifft nicht nur die Dinge im Außen, sondern ganz besonders in uns drin. Meine Einstellung zu mir selbst, zu meinem Partner, zu meinen Kindern, zu meinem Job, zum Leben, einfach zu allem. Das ist der Grundstein, auf dem wir alles aufbauen.

Das Leben ist viel zu wertvoll, um es mit negativen Gedanken und Einstellungen viele Jahre zu verschwenden. Es lohnt sich so sehr, wirklich daran zu arbeiten, etwas zu verändern. Das geht schon mit ganz kleinen Baby-Steps. Wenn du das nächste Mal einen Sonnenaufgang siehst, halte kurz inne, schließe die Augen, genieße das Gefühl, atme ganz tief ein und wieder aus. Oder genieße den allerersten Schluck deines Coffee to go ganz bewusst und schütte ihn nicht einfach in dich rein.

So vieles ist möglich

Beobachte wie die Wolken am Himmel vorbeiziehen. Oder das glitzernde Wasser eines Springbrunnen in der Sonne, die ersten Blumen; die schon wieder zu sehen sind, wünsche jemandem einen besonders schönen Tag, einfach so.

Wenn ich mich das nächste Mal aufrege, dass die Bahn wieder nicht fährt wegen eines Notarzteinsatzes, dann stoppe ich diesen Gedanken sofort. Denn wir können verdammt froh sein, dass es uns nicht erwischt hat und dass es Menschen da draußen gibt, die Tag und Nacht für uns im Einsatz sind, wenn wir Hilfe brauchen.

All diese kleinen unscheinbaren Dinge sind wie winzige Puzzleteilchen, die sich nach und nach zu einem großen Ganzen zusammen setzen. Und eigentlich sind diese kleinen Veränderungen nicht wirklich schwer, wenn wir ehrlich sind. Sie kosten uns nichts, außer vielleicht ein bisschen Überwindung am Anfang.

Es kann ein ganz kleiner Anfang sein für etwas wunderbares Großes. Die Fähigkeit immer dann Glück zu empfinden und glücklich zu sein wann immer du es willst.

“Glück hängt nicht davon ab, wer du bist oder was du hast. Es hängt nur davon ab, wie du denkst.”

Dale Carnegie

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