Veränderungen

  • Veränderungen kommen und gehen
  • Manchmal stellen sie dein ganzes Leben auf den Kopf

Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der Veränderungen im Leben offen gegenübersteht. Ich probiere gerne Neues aus. Für die meisten von uns sieht der Alltag jeden Tag gleich aus. Hier und da etwas neues auszuprobieren finde ich daher sehr spannend.

Das war nicht immer so. Noch vor einigen Jahren habe ich Veränderungen regelrecht, gehasst, bekämpft, abgelehnt und boykottiert. Das kann wahnsinnig anstrengend sein. Veränderungen treten manchmal ungefragt in dein Leben und können es grundlegend ändern.

Aber auch geplante Veränderungen können dich vor ganz neue Herausforderungen stellen. Was sich in der Theorie ganz einfach und leicht anhört kann sich in der Praxis ganz anders entwickeln. Manche Veränderungen lassen sich nicht so leicht wieder rückgängig machen, dann musst du damit leben, ob du willst oder nicht.

Kampf

Bekämpft man Veränderungen, so wie ich es lange Zeit getan habe, kann das unheimlich kräftezehrend sein.

Veränderungen bekämpfen wir immer dann, wenn wir aus unserer Komfortzone raus müssen. Manche Menschen tun das von Zeit zu Zeit ganz bewusst. Sie suchen die Herausforderung, um neue Erfahrungen zu sammeln und sich weiter entwickeln zu können. Viele Menschen vermeiden es jedoch, freiwillig aus der Komfortzone raus zu müssen.

Außerhalb unserer Wohlfühlzone sind wir unsicher, fühlen uns unwohl, haben Angst. Wir bewegen uns auf unbekanntem Gebiet. Instinktiv bleiben wir lieber dort, wo wir uns auskennen, wo wir wissen woran wir sind, wo uns keiner was vormacht, wo wir uns sicher fühlen.

Immer dann, wenn wir etwas nicht kennen, wenn etwas unbekannt ist, wenn wir auf etwas treffen, was wir noch nie gesehen, erlebt oder gehört haben gehen wir innerlich einen Schritt zurück. In grauer Vorzeit hat uns das vermutlich unser Überleben gesichert, denn Unbekanntes bedeutete oft Gefahr.

Nein danke

Entspricht etwas nicht unserem eigenen Werten, unserem Weltbild lehnen wir dankend ab. Unser System hat dann einfach keine Schublade, in das es das unbekannte Ereignis hineinpacken kann. Konsequenterweise nehmen wir eine ablehnende Haltung ein, weil wir es nirgendwo hinstecken können. Den meisten Menschen geht es so. Dieser Prozess läuft völlig unbewusst innerhalb kürzester Zeit in uns ab. In Sekundenbruchteilen entscheiden wir, ob wir für oder gegen etwas sind.

Unser System ist perfekt von uns viele Jahre durch unsere Erfahrungen programmiert worden. Es weiß ganz genau, was wir wollen und was nicht. Daher laufen wir irgendwann auf Autopilot. Wir haben dann kaum noch Mitspracherecht bei unseren Entscheidungen. Viele Menschen denken darüber gar nicht mehr nach und hinterfragen ihre Entscheidungen nicht mehr.

Gewohnheitstiere

Über Jahre antrainierte Gewohnheiten lassen sich daher nur sehr schwer ändern oder gar aufgeben. Der Mensch ist durch und durch ein Gewohnheitstier. Auch ich bin eins der ersten Stunde. Der Status quo war mir immer hoch und heilig.

Es ist schlicht einfacher und lässt das Leben in gewohnten und geordneten Bahnen verlaufen. Stress habe wir alle genug im Leben. Wir müssen uns nicht noch zusätzlich welchen machen, indem wir uns noch mehr Herausforderungen suchen. Das Leben ist schließlich Herausforderung genug.

Keine Wahl

Die meisten Ereignisse in unserem Leben entscheiden wir selbst oder können sie beeinflussen. Manchmal jedoch haben wir keinen Einfluss auf Veränderungen und müssen dennoch mit ihnen leben. Das können Krankheiten, Trennungen oder auch der Tod einer geliebten Person sein.

Wenn Dinge passieren, die sich unserem Einflussbereich entziehen fühlen wir uns hilflos. Wir empfinden das Leben als unfair, ungerecht und anstrengend. Manche Veränderungen greifen tief in dein Leben ein und stellen alles auf den Kopf. Der Boden unter deinen Füßen wackelt oder wird dir gar entzogen. Dann hast du das Gefühl zu fallen und keinen Halt mehr zu haben. Manchmal verlierst du die Orientierung und weißt nicht mehr, wohin du willst.

Das mühsam aufgebaute Weltbild bekommt vielleicht Risse und wir verstehen die Welt nicht mehr. Unser auf Autopilot laufendes System kann plötzlich keine richtigen Entscheidungen mehr treffen. Im Programm waren Veränderungen nicht vorgesehen.

Zu allem Überfluss treten Veränderungen oft gleichzeitig in dein Leben. Eine Veränderung zieht die andere automatisch nach sich. Es entsteht eine Kettenreaktion.

Was kannst du in so einer Situation tun? Wie kannst du damit umgehen?
Wie kannst du dich selbst beschützen und nicht die Nerven zu verlieren?

Bleib ganz ruhig

Ein Zitat von einem unbekannten Autor sagt: „Wenn du das Gefühl hast, dass gerade alles auseinander zu fallen scheint, bleib ganz ruhig. Es sortiert sich nur neu“.

So schön wie der Spruch ist, so wenig hilft er mir, wenn ich mitten im Chaos stecke. Und doch steckt in diesen Worten viel Wahrheit. Wenn du es schafft, wirklich ruhig zu bleiben und dir selbst die Zeit gibst, dich auf Veränderungen einzulassen, hilfst du dir ein großes Stück weiter. Das kann Tage, Wochen, manchmal Jahre dauern. Die Zeit spielt keine Rolle, jeder entscheidet für sich ganz allein. Es lohnt sich in jeder Lebenssituation, denn es bringt dir wieder ein Stück Frieden mit dir selbst zu dir zurück.

Akzeptanz

Es heißt immer, Zeit heilt alle Wunden. Ich glaube daran nicht. Es gibt Dinge im Leben, die immer ein wunder Punkt bleiben werden. Ganz egal, wieviel Zeit bereits vergangen ist. Der größte Schmerz lässt irgendwann nach, aber ganz verheilen können manche Wunde nie. Manchmal bleiben Narben zurück.

Dann bleibt dir nur noch die Akzeptanz. In meinem Leben habe ich lange, lange Zeit manche Dinge einfach nicht akzeptieren wollen. Damit habe ich gehofft, die Dinge doch noch zu verändern. Ich habe gedacht, wenn ich es nicht akzeptiere, dann muss ich es auch nicht annehmen. Für mich hätte es sich angefühlt wie aufgeben, wie verloren haben, wie resignieren. Das konnte ich einfach nicht zulassen.

Dabei habe ich schmerzlich lernen müssen, dass nichts dir soviel Energie entzieht, wie der Kampf gegen eine Situation, die du nicht ändern kannst. Es saugt dich mental aus, manchmal bis hin zur körperlichen totalen Erschöpfung. Der Geist gibt irgendwann auf und macht dicht.

An dieser Stelle kann ich nur für mich sprechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Haltungen gegenüber verhassten Situationen verändert, wenn man versucht, sie ganz langsam anzunehmen und wenigstens einen Waffenstillstand mit ihnen schließt. Das geht nicht von heute auf morgen und braucht viel Geduld und Verständnis sich selbst gegenüber. Es erfordert viel Kraft und Bereitschaft, seinen Standpunkt aus einem anderen Winkel zu betrachten.

Alles hat zwei Seiten

Oft sehen wir nur die eine Seite der Veränderung. Hinter die „Kulissen“ schauen wir dabei nicht. Veränderungen können auch neue Chancen im Leben bedeuten.  Nur durch Veränderung haben wir die Möglichkeiten zu wachsen, Neues in unserem Leben zu integrieren, und uns weiterzuentwickeln. Zwangsläufig gehen dabei manchmal Türen zu, was sehr schmerzlich für uns sein kann.

Aber es gehen eben auch neue Türen auf, durch die wir wieder gehen können. Erst schauen wir vielleicht nur von weitem hindurch, dann nähern wir uns immer weiter an. Und irgendwann sind wir soweit, dass wir ganz durch diese neue Tür gehen. Dann haben wir es geschafft, dann sind wir froh und stolz auf uns, weil wir etwas Neues gewagt und ganz oft wunderbare neue Erfahrungen gemacht haben.

Nichts ist so beständig wie Veränderungen im Leben, hat Heraklit gesagt. Veränderungen begleiten uns unser ganzes Leben lang.  Die einen sehnen wir regelrecht herbei, andere möchten wir nicht in unserem Leben haben. Nur fragt das Leben nicht immer danach. Veränderungen gehören jedoch zum Leben dazu wie Atmen. Dabei haben wir immer die Wahl. Wir können Veränderungen als Feinde sehen, die uns das Leben schwer machen oder wir versuchen mit ihnen umzugehen, sie zu verstehen und sie als Teil unseres Lebens zu sehen.

Reden

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Veränderungen umzugehen. Den meisten Menschen hilft es, wenn sie über ihre Ängste, Sorgen und Nöte, die Veränderungen mit sich bringen, mit jemandem reden können. Wenn wir das Gefühl haben, dass uns jemand versteht und Verständnis für uns und unsere Situation hat, nimmt es oft bereits viel Druck von unseren Schultern. Menschen, die bereits ähnliche Erfahrungen gemacht haben können uns hier besonders helfen.

Schreiben

Für mich habe ich das Schreiben entdeckt. Beim Schreiben kann ich mir alles von der Seele schreiben, ohne Angst vor einer Bewertung oder Verurteilung durch irgendjemanden haben zu müssen. Manchmal verbeißen wir uns regelrecht in Widerstände und wissen gar nicht mehr genau, warum wir etwas ablehnen oder gar bekämpfen. Es ist einfach nur Ablehnung in uns drin. Kennen wir die Gründe für unsere Haltung können wir unser Handeln besser verstehen. Das macht Schreiben für mich.

Ich verstehe dann, wovor ich wirklich Angst habe und weiß, wo ich ansetzen kann. Wenn ich Punkt für Punkt aufs Papier bringe sehe ich meistens sehr schnell, wo wirklich mein Problem liegt. Ich lehne dann nicht mehr einfach nur ab, ich weiß dann vor allem, warum. Für mich ist das eine große Hilfe.

Wenn nichts mehr geht

Doch auch die besten Tipps und Ratschlägen helfen manchmal nicht weiter. Dann kann man noch so viel darüber reden, lesen oder schreiben. Manche Veränderungen lassen sich nur sehr schwer annehmen. Letztendlich kannst nur du allein Veränderungen akzeptieren, das kann dir niemand abnehmen. Manchmal kann nur die Zeit für dich arbeiten und du musst versuchen, das Beste daraus zu machen.

Bitte denke immer dran, dass Veränderungen auch Möglichkeiten, Chancen und manchmal wahre Geschenke sein können. Sie wirbeln dein Leben durcheinander und stellen es komplett auf den Kopf. Sie bringen aber auch neue Perspektiven, neue Erfahrungen und Möglichkeiten für dich mit.

Auch wenn wir neue Dinge auf den ersten Blick ablehnen, lohnt sich immer ein zweiter, etwas genauerer Blick darauf und dahinter. Wenn du dich traust und mutig genug bist, dich auf neue Dinge einzulassen, kann das dein Leben sehr bereichern, bunter machen und vielfältiger werden lassen.

Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.

Christian Morgenstern

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