Ich hab doch keine Zeit – Schuhe kaufen kurz vor Peng

  • Schuhe kaufen unter Zeitdruck ist für mich die Königsdisziplin. Wer das ohne Schweiß und halben Nervenzusammenbruch schafft hat meinen allerhöchsten Respekt.

Schuhe kaufen ist so eine Sache. Die richtigen noch dazu erst recht. Selten gelingt das auf Anhieb. Und nicht alle Schuhe, die wir uns anziehen passen uns auch. Entweder man liebt es Schuhe zu kaufen oder man hasst es. Ich tue gelegentlich Beides, je nachdem, warum ich gerade neue Schuhe brauche.

Ich brauche ganz schnell Schuhe

Gestern war wieder so ein Tag. Die Sonne brannte vom Himmel mit 32 Grad Celsius. Spontan fiel mir ein, dass ich ja kein einziges paar Sommerschuhe mehr habe, weil ich jüngst mal wieder meinem Teilzeitminimalismus verfallen war. Ich hatte alles beseitigt, was mir nicht mehr wichtig erschien und in meinem Leben keinen Platz mehr hat. Darunter war auch das eine oder andere paar Schuhe soweit ich mich erinnere.

Der Sommer schien noch vor einer Woche utopisch weit weg zu sein. Der sonst wunderschöne Wonnemonat Mai machte dieses Jahr seinem Ruf keine Ehre und war kalt und nass. Von Sonne war nur selten eine Spur zu sehen. Wer braucht da schon Sommerschuhe. Das hat ja noch Zeit, denke ich, wie jedes Jahr.

Plötzlich Sommer

Heute ist der 3 Juni und prompt wurde es spontan Sommer. Mit so viel Hitze am Tag habe ich natürlich nun gar nicht gerechnet. Wie jedes Jahr bin ich über dieses Ereignis überrascht und habe meine Garderobe noch immer im Wintermodus. Man weiß ja nie. Das musste ich nun schleunigst ändern, denn es sieht so aus, dass der Sommer nun auch bei uns endgültig angekommen ist.

Daher mussten Sommerschuhe her. Und zwar jetzt gleich. Welche, die ich im Büro anziehen kann, die zu allen meinen Hosen passen, zu jedem Rock gut aussehen, mit meinen Kleidern harmonieren und bequem sind. Die einfach perfekt zu allem sind. Und aus Leder sollten sich auch nicht sein, da ich keine Tiere an meinen Füssen mag. Ist doch ganz easy und wirklich nicht zu viel verlangt.  Alle Frauen kennen das.

Das geht garnicht

Gerade heute habe ich auch noch einen Termin zur Vertragsunterzeichnung für meinen neuen Job. Da kann ich ja schlecht mit Turnschuhen oder Winterschuhen hingehen. Dann ist mein erster guter Eindruck, denn ich hinterlassen hatte, gleich wieder hin. Als ob alle Welt nur auf meine Schuhe schauen würde, und jaaaaa, für mich fühlt sich das genauso an.

Der Termin war mir zwar nicht erst seit gestern bekannt, mit dem Phänomen Sommer jedoch hatte ich nicht gerechnet. Wer rechnet in Deutschland im Juni denn auch mit einem echten Sommer?

Der Countdown läuft

3 Stunden hatte ich noch Zeit, um neue Schuhe zu finden. Dann musste ich los zum Meeting. Aus eigener langjähriger Schuhkauferfahrung kann ich sagen, dass Zeitdruck nicht so ganz optimal für einen erfolgreichen Schuhkauf ist. Geht man dazu auch noch mit einer genauen Vorstellung des zu erwerbenden Schuhwerks vor sinken die Chancen auf Erfolg direkt um mindesten 80%.

Auch scheint es ein ungeschriebenes Gesetzt zu sein, dass ich immer dann etwas finde, wenn ich gar nicht danach suche, sondern nur mal so ein bisschen durch die Gegend bummeln will. Aber wehe, ich suche etwas ganz Bestimmtes. Zu 98% finde ich auf Garantie nicht das Gewünschte beim ersten Mal. Ich müsste quasi immer so tun, als ob ich gar nicht auf der Suche wäre. Leider schaffe ich es nicht, mich selbst zu überlisten, um diese Strategie immer fahren zu können.

Plan B gibt es nicht

Nun ja, da musste ich jetzt durch, sonst wäre mein ganzes Outfit, welches ich mir überlegt hatte, für die Katz. Und Zeit, mir ein neues Outfit zu überlegen, hatte ich schon gar nicht. Das kann, je nach Anlass, ein recht komplexes und zeitintensives Unterfangen sein. Ein komplett neues Outfit zusammenzustellen, welches zum Anlass passt, was stimmig ist und in dem man sich wohl fühlt, schüttelt man nicht mal eben aus dem Ärmel. Es gab also keinen Plan B. Plan A musste funktionieren, komme was wolle.

Mit diesen Gedanken bin ich mit meinem Fahrrad zum nächsten Einkaufscenter meines Vertrauens gefahren und habe mich seelisch und moralisch während der kurzen Fahrt auf meine Mission „Schuhe jetzt gleich“ vorbereitet. Im Prinzip habe ich nichts anderes getan, als mich mantra-artig daran zu erinnern, ja nicht die Geduld zu verlieren, langsam durch alle Schuhregale zu gehen und nicht zu rennen, aufmerksam alle Schuhe anzusehen und nicht nur flüchtig zu streifen und nett und höflich, trotz Zeitdruck, zu den Verkäuferinnen zu sein und auch zu bleiben.

Es geht los…

In diesem Center gibt es drei Schuhgeschäfte. Da sollte sich doch was für meine bescheidenen Ansprüche finden lassen. Dachte ich……

Schuhladen Nr. 1 war eine große bekannte Kette mit grünem Schriftzug. Frohen Mutes bin ich rein und verspürte schon nach drei Schritten tief in mir drin eine leichte Verstimmung. Überall sah ich nur diese Zehentreter, die schon seit letztem Jahr der letzte Schrei sind. Und das dafür aber in gefühlt 5000 verschiedenen Varianten. Fürs Büro damit völlig ungeeignet. Das, was ich mir vorgestellt hatte, stand natürlich nicht im Eingangsbereich in sicht- und griffweite und sprang mich direkt an. Wäre ja auch zu einfach gewesen.

Also hieß es suchen. Im Suchen und finden bin ich nicht so gut, da ich gern mal was übersehe, dank meiner Ungeduld. Selbst dann, wenn es direkt vor meiner Nase steht. Mit Pilzen ist es das gleiche bei mir. Das ist vermutlich mit ein Grund, warum wir irgendwann nicht mehr in die Pilze gegangen sind. In solch erfolglosen Versuchen steckt eine Menge Frustpotential, welches nicht zu unterschätzen ist. Ich habe einfach kein Auge dafür, die tarnen sich für meine Adleraugen viel zu gut.

Bleib ganz ruhig

Ich ging betont langsam durch die Regale und scannte erstmal das Angebot ab, um einen ersten Überblick zu bekommen. Dabei stellte ich fest, dass so gut wie nichts dabei war, was es in die engere Wahl schaffen könnte. Schon sank mein Optimismus in den Keller. So schnell Aufgeben kam jedoch nicht in Frage, hatte ich mich doch selbst ausdrücklich geimpft, ruhig und geduldig zu bleiben. Also ging ich nochmal durch alle Regale, diesmal von der anderen Seite. Vielleicht hatte ich ja etwas übersehen und aus einem anderen Blickwinkel offenbartes es sich mir eventuell. Dabei streifte ich mittlerweile eher wie ein nervöser Tiger durch die Regale. Immer hin und her. Es nütze nichts, es fiel mir partout nichts ins Auge, was brauchbar gewesen wäre.

Spielfeldwechsel

Um nicht weiter wertvolle Zeit zu verlieren, beschloss ich kurzerhand zu gehen und es im nächsten Laden zu versuchen. Mit diesem hatte ich schon mehrfach gute Erfahrungen gemacht und hoffte nun inständig, dass er mich auch dieses Mal nicht im Stich lassen würde. Gesagt, getan. Mit strammen Schritten erreichte ich die heiligen Hallen und setzte auch hier meinen Scanner Blick schon am Eingang ein. Schade, dass wir Menschen keinen Röntgenblick drauf haben, dann könnten wir auch direkt durch die Regale bis in die hinterste Ecke sehen. Das wäre wesentlich effektiver als nur die oberen Ränder der ersten Reihen und die Ware im Eingangsbereich sichten zu können.

Wie immer….

Mein Kennerauge erblickte dennoch sogleich zwei mögliche Kandidaten, die sich bei näherer Betrachtungsweise jedoch als untauglich heraus stellten. Da ich ein klein wenig unter Druck stand, in einer Stunde musste ich los zum Termin, rannte ich schon fast wieder durch die Reihen mit unruhigem Blick und übersah prompt das Wesentliche. Eine findige Verkäuferin bemerkte meine Not und bot mir mitfühlend ihre Hilfe an. Und dann sah ich sie.  Das fast perfekte paar Schuhe. Fast so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Aber eben nur fast. Dennoch wollte ich es versuchen. Und dann passierte das, was einem immer in so einer Situation passiert. Meine Größe war weg. War ja klar, das ist immer so bei mir, da kann ich direkt schon drauf warten.

Das kennt garantiert jede Frau. Da findet man nach endlos langer Suche endlich etwas, das gehen könnte und dann ist die richtige Größe nicht da. Unter anderen Umständen wäre das auch gar kein Problem gewesen. Bestellt man die Schuhe eben in den Laden und holt sich diese später ab. Ich brauchte aber die Schuhe noch heute, besser gesagt innerhalb der nächsten 60 Minuten.

Der rettende Engel

Weiter gings es. Die Verkäuferin stellte sich als eine Person mit scheinbar unbegrenzt vorhandenen Geduldsfäden heraus. Sie kennt wahrscheinlich so Frauen wie mich zur Genüge, die kurz vor Peng panisch in den Laden rennen und mal eben das perfekte paar Schuhe suchen. Da sie nun wusste was ich wollte, ging sie zielstrebig vor mir her und führte mich durch den Schuhdschungel sicher hindurch an die richtige Stelle. Und da standen sie dann wirklich. Und das auch noch im Rudel. Jetzt hatte ich zwei wunderschöne Exemplare gefunden und hatte sogleich das nächste unangenehme Gefühl im Bauch.

In Sekundenbruchteilen schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich mich garantiert nicht entscheiden kann zwischen den beiden, wenn die jetzt auch noch beide perfekt passen. Aber wie groß soll die Chance schon sein, erst überhaupt nichts zu finden, trotz intensiver Suche und dann gleich zwei Paare zu finden, die super aussehen und auch noch fantastisch passen? Das passiert in 1 Million Jahre vielleicht einmal.

Ich kann mich nicht entscheiden

Nun ja, scheinbar war bei mir genau gerade jetzt dieser Moment gekommen. Es kam wie es kommen musste. Sie passten tatsächlich beide perfekt und sahen auch noch toll an meinen Füssen aus. Da stand ich nun und konnte mich tatsächlich nicht entscheiden. Ausgerechnet jetzt, wo ich doch keine Zeit hatte. Früher hätte ich nicht lange gefackelt und einfach beide Paare mitgenommen. Das wollte ich aber aus zwei Gründen nicht. Erstens lag jedes Paar für sich schon weit über meinem Budget. Und zweiten habe ich nur zwei Füße und kann demzufolge auch nur ein Paar von beiden anziehen. In spätestens 30 Minuten, wenn ich zum Termin aufbreche, hätte ich mich ja doch wieder entscheiden müssen. Beide zu kaufen war also keine Option.

Ich zog beide Paare abwechseln an und betrachtete das Ergebnis im Spiegel, um eine Tendenz in mir feststellen zu können. Nichts. Ich fand die einfach beide toll. So ein Mist, die Zeit wurde langsam wirklich knapp. Mir standen inzwischen tennisballgroße Schweißtropfen auf der Stirn, was wohl auch daran lag, dass es draußen immer heißer wurde. Ich musste mich irgendwie entscheiden, und zwar schnell. Es heißt immer: In der Ruhe liegt die Kraft. Ich beneide jeden, der damit was anfangen kann.

Trick 17 vielleicht?

Dann versuchte ich einen anderen Trick. Ich zog an jeden Fuß einen anderen Schuh an. So hatte ich den direkten Vergleich. Das half mir genau null Millimeter weiter. Ich wünschte mir wieder meine geduldige Verkäuferin an meine Seite. Sie könnte mir bestimmt mit geübtem Blick einen Tipp geben und mir die Entscheidung damit abnehmen. Sie wüsste bestimmt ganz genau, welche viel schöner an meinen Füssen aussehen + fachkundiger Erklärung obendrauf. Leider war sie beschäftigt mit zwei anderen Damen, die mehrere Kartons mit Schuhen um sich herum stehen hatten.

Puh, das war echt verzwickt. Da musste ich wohl ganz alleine durch. Die Entscheidung wollte mir einfach keiner abnehmen, was den unangenehmen Nachteil hat, dass man selbst dran schuld ist, sollte sich das Ganze später dann doch als Fehlentscheidung herausstellen. Das kennen wir alle und ist eben typisch Mensch. Gerne schieben wir die Verantwortung manchmal lieber an andere ab. Das macht es bei Fehlschlägen nämlich leichter, da man ja nicht selbst dran schuld ist.

Entscheide dich, egal wie

Diese Gedanken nutzen mir im Moment herzlich wenig. Ich stand immer noch mit zwei verschiedenen Schuhen an meinen Füssen da und wusste nicht, was ich machen sollte. Ich beschloss beide nacheinander nochmal anzuziehen, kurz zu prüfen und mich dann einfach ohne zu zögern zu entscheiden. Basta. Ich hatte mal den Satz gelesen: „Egal wie du dich entscheidest. Sorge dafür, dass es die richtige Entscheidung ist und bleibt“. Das hieß für mich, dass ich die Schuhe, für dich ich mich entscheiden werde, als die einzig richtige Entscheidung ansehe und über die anderen einfach nicht mehr nachdenke.

Genau so habe ich es gemacht. Während ich beide paar Schuhe noch ein letztes Mal anprobierte habe ich das mit der mir größtmöglichen Ruhe getan, tief durchgeatmet, mich vor den Spiegel gestellt, in mich hinein gehört und plötzlich wie selbstverständlich ein ziemlich klares Urteil gehabt. Die waren es und keine anderen. Was so ein kleines bisschen Konzentration ausmachen kann.

Happy End

Dann ging alles ganz schnell. Die anderen Schuhe habe ich wieder an ihre Plätze gestellt und bin mit meiner neuen Errungenschaft an die Kasse geflogen. Dort ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen. Mein Outfit war gerettet.  Dafür wurde nun meine mir noch verbleibende Zeit bedrohlich knapp.

Als ich die Schuhe auf die Verkaufstheke zum Bezahlen gestellt hatte hörte ich eine junge Frau im Vorbeigehen zu mir sagen: „Schöne Schuhe haben Sie da“. Sie strahlte übers ganze Gesicht. Ich sah an ihr herab und entdeckte, dass sie genau die gleichen Schuhe trug, die ich soeben gekauft hatte. Die Bestätigung für meine Entscheidung kam damit direkt hinterher. Mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht bin ich nach Hause gefahren und habe am gleichen Tag zwei Stunden später den Arbeitsvertrag für meinen neuen Job unterschrieben.

Wenn das kein Grund zum Feiern ist.

Gib einem Mädchen die richtigen Schuhe und sie kann die ganze Welt erobern.

Marilyn Monroe

2 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch –
    egal wie wir uns entscheiden es bringt uns immer weiter als zu warten das ein Anderer das für uns übernimmt. Der Himmel liebt die Mutigen und siehe da schon kommt die Bestätigung das alles gut ist.
    Zur Belohnung würde ich mir jetzt das zweite Paar Schuhe gönnen – vielleicht in einer anderen Farbe ;O).

    Herzliche GRüße
    Monika

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