Zeit- das unsichtbare Element

  • Was ist Zeit?
  • Was tun wir mit ihr?
  • Und welche Rolle spielt Sie in unserem Leben?

Zeit ist eine von uns Menschen festgelegte physikalische Größe, geschaffen, um unsere Welt und das Universum besser zu verstehen. Mit der Zeit lässt sich so einiges anstellen. Wir können sie messen, verschieben, stoppen, weiterlaufen lassen, verschlafen, verlängern, totschlagen, ablesen, Bücher drüber schreiben, verlieren, stehlen, gewinnen oder sie als Geschenk ansehen.

Nur eins können wir nicht mit ihr machen. Zeit lässt sich nicht speichern wie z. B.  elektrische Energie in Batterien. Wir sind nicht in der Lage, Zeit einzulagern und uns einen Vorrat anzuschaffen, um z. B. unsere Lebenszeit damit zu verlängern, um Zeit für Dinge zu haben, für die bisher kein Platz in unserem Leben war. Es ist unmöglich für uns Menschen und wird es auch immer sein.

Deine Zeit läuft

Zeit hat die Eigenschaft, immer, stetig und gleichmäßig abzulaufen und zwar für uns immer nur in eine Richtung. Zeit, welche einmal für uns vorbei ist, lässt sich nicht umlenken und zum Rückwärtslaufen bringen. Das ist bisher nur in Since Fiction Filmen möglich. Aber wer weiß was die Zukunft noch bringt. Vielleicht sind Zeitreisen in die Vergangenheit oder in die Zukunft irgendwann möglich. Doch bis es soweit ist, ist und bleibt die Zeit für uns verloren, sobald sie vorüber ist.

Umso erstaunlicher ist es, wie wir mit diesem kostbaren Gut namens Zeit zuweilen umgehen. Wir verschwenden sie mit Dingen, die uns nicht gut tun, die uns traurig machen, die uns unendlich viel Kraft und Nerven kosten und die uns manchmal sogar krank werden lassen.

So auch ich:

Heute ist Montag, der 25 Juni. Eine ganz neue Woche fängt an, der Alltag geht wieder los. Schon am frühen Morgen habe ich keine Lust auf diesen Tag. Meine Gedanken drehen sich darum, wie ich möglichst schnell den Tag herum bekomme, ohne dabei auf der Arbeit vor Langeweile zu sterben. Mein Chef und Gefolge sind heute noch im Urlaub und daher ist leider sehr wenig zu tun. Bis auf ein paar wenige Telefonate, Post und Mails gibt es nichts zu machen. Die ausgeprägte Kontrollsucht des Chefs lässt nicht mehr zu. Ohne ihn geht hier Garnichts…

Solche Tage ziehen sich ins Unendliche. Jede Minute kommt mir vor wie eine Stunde. Diese Tage strengen mich übermäßig an. Ich habe einfach nichts Sinnvolles zu tun und gehe dennoch völlig fertig am Abend aus dem Büro. Permanent denke ich darüber nach, was ich alles mit der verlorenen Zeit hätte anstellen können.  Wirklich ein Jammer dieser sinnlose Verlust. Und das Ganze tue ich auch noch freiwillig. Mich zwingt niemand, hier in diesem Büro unter den gegebenen Bedingungen sein zu müssen. Und dennoch verbringe ich den Großteil meines Tages hier. Woche für Woche.

Mitten durch dieses Gedankenchaos hindurch bahnt sich ein Gedanke energisch seinen Weg an die Oberfläche meines Bewusstseins.

Warum?

Warum tun Menschen das? Warum vergeuden und verschwenden wir unsere wertvolle Zeit, die so einmalig ist, in Massen? Warum werfen wir unsere kostbare Zeit, die jeder von uns in begrenztem Umfang hat, mit vollen Händen zum Fenster raus? Warum tun wir so, als hätte wir ein zweites Leben?

Warum tue ich das? Warum verbringe ich so viel Zeit mit einem Job, der mir keine Spaß macht, der mich so oft langweilt, so dass ich mich jeden Tag frage, warum ich hier bin? In dem ich nicht wachsen und mich weiter entwickeln kann? In dem ich stagniere und nur Dienst nach Vorschrift machen soll? Und das womöglich noch die nächsten 20 Jahre, wenn ich bleibe und nichts daran ändere?

Bei diesem Gedanken läuft es mir endgültig kalt den Rücken herunter. So hatte ich das bis jetzt nicht gesehen. Diese Erkenntnis machte mir Angst in diesem Moment. Ich kam mir regelrecht gefangen vor. Ich hielt mir gerade selber den Spiegel vor mein Gesicht, in dem ich die unschöne Realität sehr deutlich sah und die ich mir selber erschaffen hatte.

Sinnlos

Rational betrachtet machte es überhaupt keinen Sinn und dennoch halten wir oft an Dingen oder Situationen fest, die uns nicht gut tun. Und warum? Weil wir Angst vor dem Unbekannten haben. Wir wissen nicht, was uns erwartet und gehen tendenziell eher vom Negativen als vom Positiven aus, wenn wir darüber nachdenken, ob wir etwas verändern sollen oder nicht.

Das tun wir nicht mit Absicht. Unsere Denkmuster laufen automatisch in unserem Unterbewusstsein ab. Im Laufe unseres Lebens sammeln wir Erfahrungen, die von unserem Gehirn katalogisiert und in entsprechenden Schubladen abgelegt werden. Daraus entwickeln wir im Laufe der Zeit ganz bestimmte Verhaltensmuster, die bei wiederkehrenden oder ähnlichen Situationen immer wieder ablaufen. So kann unser Gehirn die Flut an Informationen, die jeden Tag aufgenommen werden, besser verarbeiten und entsprechen darauf reagieren. So versinken wir nicht im Chaos.

Alles nur Programm

Unser System kann dabei nur auf Erfahrungen zurückgreifen, die es kennt. Denn nur diese kann es auch eindeutig zuordnen und die entsprechende Reaktion darauf veranlassen. Neues kann unser System nicht einordnen, es gibt (noch) keine passende Schublade dafür. Daher sind wir bei Neuem oder Unbekannten instinktiv vorsichtig oder lehnen es gar ab. Wir können es nicht einsortieren, weil wir keine passende Erfahrung dazu haben. Wir wissen nicht, was uns erwartet, ob es gut oder schlecht für uns ist. Daher lassen wir oft lieber alles so, wie wir es kennen.

Zeit können wir nicht sehen oder anfassen. Wir sehen nicht, wie viel bereits weg ist und wissen nicht, wie viel Zeit uns noch bleibt. Zeit ist für die meisten Menschen einfach da, etwas das unbegrenzt zur Verfügung steht. Zeit wird es immer geben, bis in alle Ewigkeit. Aber nicht für uns Menschen. Kein Mensch hat ewig Zeit, ganz egal, woher er kommt, was er tut in seinem Leben, ob er krank oder gesund, reich oder arm ist. Für jeden von uns läuft die Zeit mit jeder Sekunde ein kleines Stück mehr ab.

Kein einziger Augenblick kommt jemals wieder zurück.

Egal was du tust…

Der Zeit ist egal was wir tun. Ob wir hassen oder lieben, ob wir versuchen die Welt zu retten oder sie weiter ausbeuten. Ob wir uns Leben so leben, wie wir es wollen oder ob wir uns fremdbestimmen lassen und nach den Regeln anderer spielen. Egal, ob wir uns über das TV Programm aufregen, über den Partner, den Nachbarn oder über den Chef. Egal, ob wir den Umständen die Schuld für unser Leben geben oder selbst Verantwortung übernehmen. Egal, ob wir unsere Umwelt und die Menschen wahrnehmen oder ob wir nur in unserer eigenen kleinen Welt leben, weil wir viel zu beschäftigt sind mit uns selbst. In jedem Moment läuft dabei unsere Zeit ab. Unwiederbringlich.

Vielen von uns ist dieser Umstand gar nicht bewusst. Wir denken nicht darüber nach und leben einfach so vor uns hin. Uns ist nicht bewusst, dass unsere Zeit endlich ist und wir nicht ewig leben. Bei manchen Menschen hat man den Eindruck, sie hätten tatsächlich ein zweites Leben irgendwo parat. Sie verschieben immer alles auf später. „Irgendwann mal, wenn die Zeit dafür gekommen ist, dann werde ich“ …… Und das erzählen sie sich selbst und ihrer Umwelt ein Leben lang. Bis es zu spät ist, weil ihre Zeit abgelaufen ist.

Bis in alle Ewigkeit

Viele von uns haben Träume, Ziele und Wünsche. Aber wir trauen uns nicht, sie umzusetzen, weil wir aus unserem gewohnten Umfeld, aus unserem gewohnten Leben dafür ausbrechen müssten. Weil wir Konsequenzen fürchten oder es uns an Mut und Selbstvertrauen fehlt. Und so träumen wir ein Leben lang davon und nehmen es irgendwann als gegeben hin. Zurück bleibt eine unerfüllte Sehnsucht, ein dumpfes Gefühl, nicht wirklich richtig gelebt und das das Leben mit all seinen Facetten ausgekostet zu haben. Das Leben läuft buchstäblich an uns vorbei.

Spätestens auf dem Sterbebett kommt die Reue, so vieles nicht getan zu haben und es jetzt nicht mehr zu können. Und das, weil wir unser ganzes Leben lang Angst hatten. Angst vor dem Leben selbst.

So viel zu tun

Wir laden uns im Verlauf unseres Lebens nach und nach so viele Verpflichtungen auf, dass uns irgendwann die Zeit fehlt, uns noch um uns und unsere eigenen Bedürfnisse zu kümmern.  Wir haben keine Zeit mehr darüber nachzudenken, ob wir unser Leben so Leben, wie wir es uns vorgestellt haben oder ob es sinnvoll ist, dringend eine Kurskorrektur vorzunehmen. Irgendwann auf dem Weg haben wir uns vergessen und verloren. Und dann läuft das Leben eben genau so, wie es jetzt eben läuft.

Wir nehmen es hin, alles andere kostet uns zu viele Nerven und Zeit, die wir sowieso nicht mehr haben. Ab und zu macht sich der Schmerz, den wir darüber spüren, in Form von Unzufriedenheit bemerkbar. Manchmal wird dann eine kleine Veränderung vorgenommen, die kaum echte Konsequenzen hat, z. B. eine völlig neue Frisur. Dann haben wir das Gefühl, etwas für uns und unser Leben getan zu haben und fühlen uns nicht mehr ganz so machtlos. Das ist wie ein Trostpflaster, das wir uns auf die Wunde kleben und die uns von unserem viel tiefer sitzenden Schmerz ablenkt für eine Weile.

Da stimmt was nicht

Von Zeit zu Zeit spüren wir dann wieder, dass wir nicht im Einklang mit unseren Wünschen und Träumen leben. Wir verdrängen es meist schnell wieder, weil wir sonst traurig werden. Denn in unserem tiefsten Inneren wissen wir ganz genau, dass wir nicht wirklich glücklich sind, auch, wenn wir es eigentlich sein sollten.

Dabei gibt es so viele Gründe, die Zeit so zu nutzen, dass wir glücklich sein können, auch wenn wir Angst haben. Denn die haben wir alle.

Unsere Zeit ist viel zu kurz auf diesem Planeten, um ihn nur ansatzweise zu begreifen. Seine Schönheit und seine Wunder sind so vielfältig und atemberaubend. Es gibt so viel zu entdecken, zu schützen, zu lernen und zu verstehen. Uns selbst zu finden und uns zu verstehen ist schon ein lebenslanger und intensiver Prozess. Für faule Kompromisse ist hier kein Platz und keine Zeit. Das sind wir uns selbst schuldig.

Wer kann das ändern?

Es gibt nur einen einzigen Menschen auf der Welt, der für dich und dein Leben verantwortlich ist. Du selbst. Nur du hast die Macht dein Leben zu formen und zu gestalten, niemand sonst. Kein Umstand und kein Mensch sind in der Lage deine Wünsche und Träume zu zerstören. Das kannst nur du selbst.
Wir ganz allein entscheiden, was oder wen wir in unser Leben hinein lassen.

Du allein hast das großartige Glück, dein Leben ganz allein und nach deinen Vorstellungen zu führen.
Das es leicht ist hat niemand gesagt, aber es ist möglich und allemal einen Versuch wert. Denn wir haben alle nur diese eine Leben.

Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, dass die Meinungen anderer Ihre innere Stimme ersticken. Am wichtigsten ist es, dass Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich.


Steve Jobs

PS.

Update: Mittlerweile habe ich meinen Job gewechselt und bin sehr glücklich damit. Ich habe mich getraut und etwas völlig Neues gewagt.
Wie bei jedem neuen Job weißt du nie, was dich erwartet. Das weiß du nur, wenn du es probierst, sonst wirst du es nie erfahren. Ich möchte dich dazu ermutigen, etwas zu ändern an deiner Situation, wenn du unglücklich bist. Niemand muss das hinnehmen. Auch wenn du Angst vor so einem großen Schritt hast, ist es allemal besser, all deinen Mut zusammen zu nehmen und einen Schritt nach dem anderen weiter zu gehen.

Nur so hast du die Chance für dich eine bessere Situation zu schaffen.
Ich weiß, dass du es kannst, denn ich habe es auch geschafft.

2 Kommentare

  1. Liebe Sandra
    herzlichen Dank für diesen gelungenen Move-your-ash -Artikel.
    Ja wir alle haben Angst – weil die meisten von uns nie gelernt haben zu vertrauen und zu lieben. In unserer Hightechwelt gibt es keine Zeit mehr für Vertrauensbildung denn für die braucht es Hingabe und die Fähigkeit ein anderes Wesen über die eigenen Bedürfnisse zu setzen. Werte leben und weiter zu vermitteln ist nicht mehr in. Wenn ich sehe das Eltern und Kinder nicht mehr miteinander reden , spielen ,singen ,lachen und weinen sondern von einem Event und Termin zum anderen hetzen werde ich soooo traurig und wütend.
    Wenn die erwachsenen Menschen sich nicht mehr fühlen und mitteilen können wie sollen da kleine Menschen Vertrauen und Charakterfestigkeit ausbilden können die sie im echten Leben so dringend brauchen.
    Bei den Mönchen lernen schon die kleinen Adepten das sie nicht ewig leben und gewiss immer nur der Augenblick ist – Achtsamkeit und Höflichkeit sind ihre ersten Lehrmeister denn bevor sie etwas beherrschen lernen sie zu dienen, zu schätzen und zu erhalten. Und sie lernen das der Dienst für und mit anderen Freude Zufriedenheit und Sinnhaftigkeit in ihr leben bringt.
    Wohl dem der dies in seiner Jugend erleben und erlernen darf – viele von uns weinen zu spät um all die verlorenen Gelegenheit und werden verbitterte zynische Opfer (denn an den verlorenen Dingen sind natürlich nur die „Anderen/Umstände“
    sschuld).
    Wie wunderbar wenn Du deine Sinnhaftigkeit gefunden hast und mit dem Dienst den Du tust etwas positives in die Welt gibst.
    Der eigene Weg ist immer der beste Weg, denn er folgt keinen Autobahnen sondern dem Schmetterling.

    Mach weiter …. immer weiter

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