Ein ganz besonderer Liebesbrief …

Letzte Woche habe ich den Film „Honig im Kopf“ angeschaut.

Durch diesen wunderbaren Film ist mir wieder einmal klar geworden, was wirklich im Leben zählt. In unserem trubeligen, angespannten Alltag gerät es manchmal in Vergessenheit.

Das sind keine Firmen, die wir aufbauen oder Bücher, die wir schreiben oder Häuser, die wir bauen oder Autos, die wir kaufen oder Geld, dem wir nachjagen oder große Wohnungen, die wir unbedingt brauchen oder Serien, die wir schauen müssen oder andere materielle Dinge.

Für mich sind das ganz andere Dinge.  Es ist die Liebe im und zum Leben, meine Familie und die Gesundheit. Was so abgedroschen klinkt bedeutet für mich jedoch alles.

Der Film hat mich wie immer sehr zu Tränen gerührt, weil Demenz in unserer Familie unseren Papa getroffen hat. Es hat mich daran erinnern, wie vergänglich vermeintlich selbstverständliche Zustände oder Umstände sind. Familie und Freunde, ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, einen Job, vielleicht ein Auto, Haus und Urlaub.
All das nehmen wir oft einfach als gegeben hin.

Manchmal reicht uns das nicht und wir wollen noch mehr im Leben, arbeiten von morgens bis abends, sind fleißig und beschäftigt und verlieren darüber von Zeit zurzeit die wichtigen Dinge aus unseren Augen. Wir sind so ausgelastet mit Leben leben, dass wir zuweilen vergessen, was wirklich zählt im Leben.

Ein klassisches Beispiel sind Beziehungen:

Wir lernen unseren Partner kennen, verlieben uns unsterblich in ihn, ziehen zusammen, heiraten und bauen uns ein gemeinsames Leben auf.

Irgendwann werden wir unzufrieden und fangen an unseren Partner zu bemängeln. Unseren Ansprüchen scheint er nicht mehr zu genügen. Auf einmal passt uns dieses nicht und jenes nicht mehr. Kleine Macken, die wir am Anfang süß fanden, nerven uns.

Dabei übersehen wir all die wunderbaren Eigenschaften des Partners, wegen denen wir uns damals in ihn verliebt haben.

Vieleicht möchten wir, dass er sein Verhalten ändert. Vielleicht gefällt uns sein Aussehen nicht mehr. Der Haarschnitt passt plötzlich nicht mehr und die Klamotten, die er trägt, finden wir auch öde. Außerdem soll er sich gesund ernähren, Gemüse und Salat essen, disziplinierter werden und sportlicher könnte er auch sein.

Gleichzeitig soll er einen tollen Job machen, erfolgreich sein, mehr Geld verdienen, Zeit für uns haben, romantisch sein, die Kinder mit links im Griff haben, von selbst einkaufen gehen, den Müll runter bringen, kochen können und witzig sein.

Er soll außerdem männlich und stark sein und zugleich einfühlsam, tolerant und immer genau wissen, was wir gerade denken und wollen. Er soll immer Verständnis für uns haben und uns dabei auf Händen tragen.

All die fabelhaften Wesenszüge, die er hat, sehen wir nicht mehr.

Wir neigen dazu uns nur auf einen einzigen vermeintlichen Mangel zu konzentrieren und übersehen dabei all die vielen guten Dinge, die unseren Partner ausmachen.
Wir werden immer enttäuschter und merken gar nicht, dass wir unseren Partner damit verletzen.

Und wir? Wir, die nur verlangen und erwarten? Was tun wir dafür, dass sich unser Partner so ändert, wie wir ihn gerne hätten?

Unterstützen wir ihn liebevoll und geduldig dabei oder fordern wir nur? Schaffen wir den nötigen Rahmen für Veränderungen oder verlangen wir einfach nur Ergebnisse vom anderen, ohne uns selbst zu ändern.

Haben wir überhaupt das Recht, den anderen zu ändern? Ihn in seiner Art zu leben zu beschneiden und nach unseren Vorstellungen umzukrempeln, um ihn dann in einen Rahmen hinein zu zwängen? Wir erwarten vom anderen, sich zu ändern, weil wir selber mit unserem Leben unzufrieden sind. Wir schieben die Verantwortung für unser eigenes Leben lieber auf den Partner ab. Der soll es richten und uns retten.

Wir ziehen unrealistische Vergleiche. Dabei haben wir vergessen, dass jeder Mensch einzigartig und mit niemandem auf der Welt vergleichbar ist. Und wir haben auch vergessen, dass unser Partner nicht für uns unser Leben ändern kann. Das ist nicht seine Aufgabe. Das kann nur jeder einzelne von uns selbst.

Viel wichtiger ist es doch füreinander da zu sein, sich gegenseitig Halt zu geben und den anderen Aufzufangen, wenn er fällt.

Viel wichtiger ist es doch sich gegenseitig aufmerksam zuzuhören, um herauszufinden, was dem anderen wichtig ist und was er gerne mag und was ihn glücklich macht.

Viel wichtiger ist es doch zusammen lachen und weinen zu können und wenn nötig sich miteinander gegen die ganze Welt zu verschwören und zusammen zu halten.

Viel wichtiger ist es doch auf den anderen aufzupassen und ihn liebevoll in den Arm zu nehmen, wenn es mal nicht so läuft wie es soll.

Viel wichtiger ist es doch, sich gegenseitig Mut zu machen und aneinander zu glauben.

Viel wichtiger ist es doch den anderen so zu nehmen wie er ist und ihn nicht nach seinen eigenen Vorstellungen zu verbiegen.

Viel wichtiger ist es doch, dass unser Partner all unsere kleinen und großen Macken akzeptiert, denn wir sind auch nicht perfekt.

Viel wichtiger ist es doch, sich gegenseitig bedingungslos vertrauen zu können und sich bei dem anderen sicher und geborgen zu fühlen.

Viel wichtiger ist es doch gemeinsame Lebensmomente zu sammeln, an die wir uns später gerne erinnern. Gemeinsam im Regen zu tanzen, zu lachen bis der Bauch weh tut und zu weinen, bis die Augen brennen.

Und noch viel wichtiger ist es doch sich bewusst zu machen, welch unfassbares Glück jeder von uns hat, wenn wir einen Partner gefunden haben, der uns versteht und der mit uns durch dick und dünn geht.

Ist es nicht viel schöner, den anderen so sein lassen zu können, wie er ist? Mit all seinen liebenswerten Eigenschaften und Macken? Unser Partner lässt uns diese Freiheit ja auch.

Und ist es nicht viel schöner, wenn der andere uns bedingungslos liebt und dabei all unsere eigenen Marotten, Eigenheiten und Launen in Kauf nimmt?

Ist es nicht viel schöner gemeinsam zu wachsen und sich gemeinsam zu verändern? Weil wir selbst es wollen und nicht, weil uns jemand dazu drängt? Weil wir Lust auf Wachstum und Entwicklung haben und unendlich neugierig darauf sind, was das Leben noch für uns bereit hält?

Und ist es nicht viel schöner, gemeinsam Neues auszuprobieren, durch die Welt zu gehen und zu staunen, was alles möglich ist?

An meinen Schatz: Es ist mir egal, ob du eine Firma aufbaust oder nicht. Es ist mir auch egal, ob du dreimal die Woche Sport machst oder nicht. Und es ist mir egal, wenn du Pokémons in der ganzen Stadt jagen gehst. Auch ist es mir egal, dass du wahnsinnig gerne Dinge ausarbeitest und vor einer Entscheidung sämtliche Eventualitäten analysierst. Und ich arbeite daran, dass es mir irgendwann egal ist, dass du gerne viele Dinge um dich herum hast. Du bist so viel mehr als nur das.

Du erträgst all meine Launen und bleibst ganz ruhig, wenn ich mal wieder tausend begeisterte Ideen gleichzeitig habe. Du lachst mich nie aus, wenn ich dir von meinen schrägen, oft verwirrenden Gedanken und Empfindungen erzähle. Du sorgst dich um unsere Miezen und unser Kaninchen als wären es unsere Kinder und geht’s unzählige Male mit ihnen geduldig zum Arzt. Du sitzt stundenlang im Wartezimmer, obwohl du eine Hundehaar-Allergie hast.


Du magst große weite Räume, ich kleine kuschelige. Du bist ein Zahlen-Ass, ich kann Menschen fühlen. Du entscheidest mit dem Kopf, ich mit dem Bauch. Ich bin eher der Praktiker, du der Theoretiker. Du bist meist der Vernünftige, ich eher die Chaotische.

Verrückt sind wir dennoch beide gleichermaßen.

Ich liebe die leisen Töne, du eher die lauten. Du gehst fröhlich auf andere Menschen zu, ich bin eher zurückhaltend und verschlossen. Die Liste könnte ich endlos fortsetzen.
Was ich nicht kann, kannst du und umgekehrt. Wir ergänzen uns vollkommen. Du bist das perfekte Gegenstück zu mir.

Und genau deshalb liebe dich genauso wie du bist. Denn so wie du bist, bist du für mich genau richtig. Du brauchst mich dafür nur so zu lieben, wie ich bin und mit mir bis ans Ende der Welt gehen, wenn es sein muss.

Einen schönen 9. Hochzeitstag wünsche ich uns beiden.

Ich bin sehr froh, dass es dich gibt und das ich dich in meinem Leben haben darf. Ich liebe dich sehr.

13.08.2019

4 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch – schnüff – eine Liebeserklärung an das Leben.
    Feiert jeden Tag das Ihr Euch liebt – auch wenn Ihr Euch manchmal garnicht
    leiden könnt — zu lieben ist eine bewußte Entscheidung — ob ich jemanden
    grade leiden kann ist manchmal Tagesform ;O).

    Die Kuschels

    1. Liebe Monika, da sagst du was ganz wichtiges. Einen Menschen zu lieben heißt sich ganz bewusst für jemanden zu entscheiden. Verliebt sein am Anfang ist leicht aber jemanden wirklich aufrichtig und ehrlich zu lieben mit all seinen Ecken, Kanten und Macken ist Arbeit, und zwar jeden Tag aufs Neue. Ein Hoch auf unsere Partner, denn die haben es mit uns auch nicht immer leicht ;o)

      LG Sandra

  2. Liebe Sandra,
    Ich lese deine Artikel so gern und konnte mich in diesem so gut wiederkennen.
    Wie schnell wir die wirklich wichtigen Dinge vergessen, etwas woran ich aktuell sehr stark arbeite! Im Moment sein, lieben, lachen, leben. Meine Werte leben, nicht die, die ich glaube leben zu müssen.
    Meinen Partner sein zu lassen wie er ist, so wunderbar wie er bereits ist!

    Eure Beschreibung trifft auch uns 1:1 genau so, witzig. Und somit schaffen wir die perfekte Ergänzung und ein tolles Team, was man für sich nutzen sollte und entsprechend anerkennen und sich freuen, einen tollen Partner gefunden zu haben. Mit dem man gemeinsam wachsen und durchs Leben gehen kann!

    Ich Danke dir für den Artikel und die schönen Worte und Inspiration.

    Lg Farina

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